Die Förderung von grünem Strom durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hat die Betreiber von Fotovoltaik- und Windkraftanlagen reich gemacht. Im Jahr 2012 konnten sie Gewinne von fast 3,5 Milliarden Euro realisieren. Das geht aus einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) hervor, die ZEIT ONLINE exklusiv vorliegt.

Laut der im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums angefertigten Expertise fiel das Gros der Gewinne, rund 2,7 Milliarden Euro, bei den Betreibern von Solaranlagen an. Sprichwörtlich auf der ökonomischen Sonnenseite ist, wer insbesondere in den Jahren 2009 bis 2011 in eine Fotovoltaik-Anlage (FV) investiert hat. Damals war die EEG-Einspeisevergütung noch hoch, während die Investitionskosten für Solaranlagen bereits deutlich gesunken waren – eine "sehr günstige" Relation, heißt es in dem ISI-Gutachten. Was nicht darin steht: Der damals zuständige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte es versäumt, bei der EEG-Reform 2009 die Einspeisevergütungen für Solarstrom so deutlich zu senken, wie es beispielsweise von Verbraucherschützern gefordert worden war.

Unter anderem dieses Versäumnis bescherte den Solarstromern enorme Gewinne. Sie waren 2012 mehr als drei Mal so hoch wie die der Windstromerzeuger, obwohl die installierte Leistung beider Erzeugungsarten ungefähr gleich und die Stromerzeugung durch FV-Anlagen sogar deutlich geringer ist als die durch Windkraftanlagen. Allerdings dürften die goldenen Zeiten für die FV-Fraktion unter den Grünstromerzeugern sich mit der gerade beschlossenen EEG-Reform dem Ende zuneigen. 

Bürgerbeteiligung nimmt deutlich ab

Nicht überraschend ist, dass laut ISI die süddeutschen Bundesländer bei den Solargewinnen ganz vorne liegen, während es bei den durch Windmühlen erwirtschafteten Gewinnen eher die norddeutschen Länder sind. Allerdings mit bemerkenswerten Nuancen: Die Leistung der Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein ist nur etwa halb so groß wie die der Anlagen in Niedersachsen, im Jahr 2012 waren die Gewinne laut Modellabschätzung im nördlichsten Bundesland aber nur um etwa neun Prozent niedriger. Laut ISI-Studie liegt das nicht nur am Wetter, sondern auch an den Standorten der Windkraftanlagen, die von der regionalen Raumplanung beeinflusst werden.

Stichwort Bürgerenergie: Auf die Solarkraft trifft das am ehesten zu. 2010 gehörten knapp 63 Prozent der Anlagen Privatpersonen, Landwirten, Bürgerinitiativen und Genossenschaften. Von der EEG-Förderung konnten Bürger also direkt profitieren. Anders bei der Windenergie: Hier sind Bürger seltener als Einzeleigentümer oder Mitglied von Genossenschaften beteiligt. An der Gewinnerzielung partizipieren sie deshalb eher über Aktien oder Beteiligungen; in beiden Fällen profitieren sie also nicht zwangsläufig.

Im Koalitionsvertrag der großen Koalition heißt es, die Ausbauziele bei den erneuerbaren Energien sollten "unter Berücksichtigung einer breiten Bürgerbeteiligung" erreicht werden. Der zuständige Minister Gabriel wird sich anstrengen müssen, dieses Versprechen zu halten. Laut der ISI-Studie und weiterer Expertisen nimmt die Bürgerbeteiligung nämlich bereits dramatisch ab. An neuen Solaranlagen, die im Jahr 2012 installiert wurden, hatten Bürger nur noch einen Anteil von 30 Prozent. Eine ähnlich abnehmende Tendenz ist auch bei Windkraftanlagen festzustellen.