Ein Windrad in der Nähe von Schönberg (Mecklenburg-Vorpommern) © dpa

Deutschland wird seine Energiewendeziele verfehlen. Das geht aus einem am Montag vom Bundeswirtschaftsministerium veröffentlichten Gutachten hervor. Um die drohende Zielverfehlung noch abzuwenden, müssten die Energie- und Klimaschutzpolitik "eine dauerhaft hohe Priorität auf der politischen Agenda einnehmen", heißt es in der von drei Forschungsinstituten angefertigten Expertise. Erreicht würden nur die Ausbauziele für die erneuerbaren Energien im Stromsektor; die würden sogar "übertroffen". Ob das nach der gerade verabschiedeten Reform des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) noch so bleibt, geht aus dem Gutachten allerdings nicht hervor.   

Den Forschungsauftrag erhielten die Gutachter (Prognos, das Energiewirtschaftliche Institut der Uni Köln, und die Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung) schon im Dezember 2012. Damals hieß der Bundeswirtschaftsminister nicht Sigmar Gabriel (SPD), sondern noch Philipp Rösler (FDP). In dem Verdacht, in Sachen Energiewende ein Überzeugungstäter zu sein, stand Rösler nie. Er trat sogar gerne auf die Bremse, vor allem beim Energiesparen.

Doch gerade der sparsamere Umgang mit Energie wäre laut dem Gutachten der Schlüssel dafür, die energie- und klimapolitischen Ziele doch noch zu erreichen: "In allen Verbrauchssektoren und Anwendungsbereichen bestehen bislang ungenutzte und teilweise wirtschaftliche Potenziale für Energieeinsparungen."

Der Untersuchung liegen die Ziele des Energiekonzepts vom Herbst 2010 zugrunde. In diesem Dokument heißt es, bis zum Jahr 2050 solle der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen um mindestens 80 Prozent reduziert werden (im Vergleich zu 1990); außerdem solle der Energieverbrauch Mitte des Jahrhunderts nur noch halb so hoch sein wie 2008. Diese Ziele sind von der großen Koalition nicht revidiert worden, gelten also noch heute.  

Es gibt auch positive Entwicklungen

Doch laut Gutachten wird der Energieverbrauch nur um 42 Prozent, der Ausstoß von Treibhausgasen nur um 65 Prozent sinken. Sogar krachend verfehlt werden die Ziele bei der Elektromobilität: Im Jahr 2020 rechnen die Gutachter nur mit rund 500.000 Elektrofahrzeugen (statt einer Million), 2030 nur mit drei statt sechs Millionen E-Autos auf deutschen Straßen.

Das alles ist zwar weniger als gewollt. Tatsächlich stecken hinter den Ziffern jedoch auch einige positive Entwicklungen. Insbesondere werden Windkraft- und Fotovoltaikanlagen in Zukunft billiger, während die Kosten konventioneller Kraftwerkstechnologien nur "stabil" bleiben. Der Wettbewerbsvorteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen wächst also.

Das größte Manko sind die fehlenden Bemühungen, mit Energie deutlich sparsamer umzugehen. Effizienz sei leider "das Stiefkind" der Politik, sagt Michael Schlesinger, Direktor bei Prognos. Dabei seien die technischen Potenziale nach wie vor groß. Erschlossen werden könnten sie unter anderem durch die steuerliche Förderung der Gebäudesanierung. Die schwarz-gelbe Regierung war mit dem Vorhaben gescheitert. Jetzt kann Gabriel zeigen, ob er erfolgreicher ist. Bereits bis Ende des Jahres will er einen "Sanierungsfahrplan" vorlegen, aus dem hervorgehen soll, wie der deutsche Gebäudebestand bis zum Jahr 2050 klimaneutral werden kann.