Während Freunde und Verwandte der 298 Opfer trauern, planen Unternehmen ein Geschäft mit MH17: Wenige Stunden nach dem Absturz des Malaysia-Airline-Fluges in der Ostukraine begann die Nachfrage nach Marken und Webadressen: mh17.de ist schon weg, weltweit reservieren sich Unternehmen Rechte an der Buchstaben-Zahlenkombination, darunter auch die betroffene Airline. Möglicherweise hoffen sie, damit irgendwann Geld verdienen zu können.

Seyefull Investments Limite, ein Unternehmen ohne prominente Webpräsenz mit Sitz im mittelamerikanischen Steuerparadies Belize, reservierte sich noch am Tag des vermutlichen Abschusses der Boeing 777-200 durch prorussische Separatisten  die Marke MH17 für den europäischen Markt. Einen ähnlichen Eintrag zeigt die internationale Marken-Datenbank TMview für die USA.

Die Liste der beabsichtigten Nutzungen umfasst Hunderte Positionen von Unterhaltungsshows, Computerspielen, Musicals, Filmen bis hin zu Verpackungsmaterial und Rollerderbys. Die Registrierungen sind in der Datenbank als "zu prüfen" dargestellt, bis zur Eintragung der Marke vergeht also noch Zeit. Die zuständigen Stellen – in Europa das Office for Harmonization in the internal Market mit Sitz in Spanien – organisieren die Prüfung und Entscheidung. 

Die schnelle Reservierung der Marke MH17 löst Ärger in den Herkunftsländern der Absturzopfer aus. "Ich bin sehr erschrocken über dieses Timing", zitiert die australische Zeitung Heraldsun den Freund eines der Verstorbenen. "Das ist absolut verwerflich, wie tief können Menschen sinken, nur um des Profits willen aus anderer Leute Leid." Die Regierung solle sich einschalten. Andere sehen das ähnlich. Die Zeitung berichtet zudem über eine Registrierung der Marke MH17 durch eine Firma in Kuala Lumpur, die allerdings in der Datenbank nicht zu finden ist.  

Schneller Zugriff als Firmenprinzip

Es ist nicht das erste Mal, dass es Streit um die Reservierung von Marken gibt. Glücksritter versuchten auch, alles um den 11. September 2001 herum für sich zu sichern. Nach dem Tod von Lady Di gab es einen Run auf die Marke "Diana", Hunderte Einträge zeigen dies. Zuletzt ging es um MH370 – die Flugnummer jenes Flugzeugs, das auf bisher ungeklärte Weise im Pazifik verschwand. Auch hier trat Seyefull Investments auf: Schon im Mai hatte sich das Unternehmen die Marke MH370 gesichert. Nicht immer aber ist das schnelle Handeln von Vorteil: Digital News Asia zitiert einen ungenannten Industriefachmann mit den Worten, solche Eintragungen seien zwar üblich, könnten aber wegen der öffentlichen Empörung schlechte PR nach sich ziehen.   

Tage nach der Firma aus dem Steuerparadies zog Malaysia Airlines nach: am Montag trug sich die Service-Gesellschaft Malaysia Airlines System Berhard ebenfalls für MH17 ein. Die Liste der gewünschten Nutzungszwecke ist deutlich kürzer als die von Seyefull Investments. Über die Gründe der Airline herrscht unter Fachleuten Unsicherheit: "Ich weiß nicht, warum sich Malaysia Airlines die Marke reservieren ließ, möglicherweise, um sie für andere Unternehmen zu blockieren", sagt  Foong Cheng Long, Fachanwalt für geistiges Eigentum und Jurist am Obersten Gericht Malaysias. Möglicherweise also eine Schutzmaßnahme.  

MH17 hat in Deutschland Chancen

Für die Firmen ist zunächst zweitrangig, ob sich mit der Marke tatsächlich etwas anfangen lässt, sie reservieren sie einfach. Fachleute sprechen vom "Trademark-Troll-Effekt". Hintergrund ist das Windhund-Prinzip: Wer zuerst reserviert, kann  den Zuschlag erhalten. Wer später kommt, muss darauf hoffen, dass der Schnellere verzichtet. Das wiederum ist jederzeit möglich: Wer eine Marke doch nicht sichern will, zieht sich zurück oder bezahlt einfach die Gebühr nicht, erläutert eine Mitarbeiterin des Deutschen Patentamts in München. Wer dagegen fristgerecht überweist, hat Markenschutz für zehn Jahre. In dieser Zeit kann der Inhaber von allen Lizenzgebühren verlangen, die ebenfalls Produkte oder Dienstleistungen unter der Marke verkaufen wollen – die Gebühren sind frei verhandelbar.   

In Deutschland hätte eine Registrierung von MH17 durchaus Chancen. Solange die beabsichtigte Nutzung nichts mit Flugzeugen oder Luftfahrt zu tun habe, könne der Antragsteller auf Zuschlag hoffen, sagt die Mitarbeiterin und nennt einige Beispiele: Die Marke für einen Film oder ein Computerspiel schützen zu lassen, ist demnach kein Problem. Das Wort Apfel etwa war als Marke nur für Nutzungen registrierbar, die nichts mit Lebensmitteln zu tun haben. Der Allerweltsname Müller wurde nur deshalb eingetragen, wenn dies im Zusammenhang mit einem Logo geschah – als sogenannte Wortbildmarke. Generell gilt: Je direkter die Verbindung von Begriff und Herkunft, desto wahrscheinlicher die Ablehnung.

Ein Copyshop-Inhaber mit mh17 als Mail-Domain

Wer einmal die Rechte an einer Marke besitzt, darf damit aber nicht alles machen. Die Markenaufseher legen unter anderem moralische Kriterien an. "Wenn etwa ein Film sich im Hinblick auf die guten Sitten als problematisch erweist, kann die Marke aberkannt werden", heißt es in München.

Ähnlich viele Anträge wie für Marken gibt es oft auch für Webadressen. Unter mh17.info oder mh17.net sind Gedenk-Sites für die Absturzopfer eingerichtet, mh17.com führt ins Nichts. Die Domain mh17.de ist schon länger vergeben – laut der Registrierungsauskunft Denic an die Firma Copytex in Koblenz, die online Druckerzeugnisse wie T-Shirts und Werbeplanen anbietet. Deren Inhaber beabsichtigt laut eigener Auskunft nicht, mit der Webadresse Geld zu verdienen. Wie er sagt, hat er sich die Domain mh17.de für seine private Mailadresse gesichert – denn er heißt Michael Heinz, geboren an einem 17.3. Was ihn verwundert: Sein Provider b24.net bietet diese Domain Interessenten zum Kauf an – für Preise zwischen 19,99 und 99 Euro im Monat. Er werde dort jetzt nachfragen, sagt Heinz.