Wer in der Landwirtschaft, als Florist, Friseur oder Sicherheitsmann arbeitet, verdient bislang in der Regel weniger als  8,50 Euro in der Stunde. Wie verändert der neue Mindestlohn das Tarifgefüge? Wie gehen die Arbeitgeber damit um? Vier Unternehmer erzählen, was sie vom Mindestlohn halten und wie er sich auf ihr Geschäft auswirken wird.

Martin Srocke, Florist aus Erfurt

"Ich kenne Kollegen, die sind Floristenmeister und müssen zusätzlich Hartz IV beantragen", sagt Martin Srocke aus Erfurt. Die Floristik sei ein Niedriglohnsektor – leider. Der Blumenhändler besitzt drei Geschäfte, sieben Angestellte arbeiten für ihn. Eigentlich unterstütze er den Mindestlohn. Aber die Ausnahmen, die etwa für Zeitungsausträger und Saisonarbeiter gelten sollen, findet der 35-Jährige unfair. "Wenn ein Gesetz in Kraft tritt, muss es für alle gleich sein."

Für Floristen gilt der Mindestlohn ab dem 1. Januar 2015. Eine Übergangszeit gibt es nicht. Srockes Angestellte verdienen schon jetzt 8,50 Euro die Stunde "Ich zahle das gerne, weil ich gute Leute will", sagt Srocke. Schrittweise hat er die Gehälter angehoben.     

Mancher Florist verdient dagegen nur vier Euro pro Stunde. Der abrupte Sprung auf 8,50 Euro könnte für viele kleine Geschäfte das finanzielle Aus bedeuten. Srocke befürchtet, dass viele Unternehmer Angestellte entlassen und das Geschäft alleine weiterführen – der Blumenladen als Ein-Mann-Betrieb. Oder sie reduzieren die Stundenzahl ihrer Angestellten: "Statt 35 Stunden wird nur noch 30 Stunden gearbeitet. Aber die Arbeit wird natürlich nicht weniger", sagt er.

Das Blumengeschäft hat sich in den vergangenen 15 Jahren stark verändert. Den niedergelassenen Einzelhändlern machen die Discounter Konkurrenz, die an der Kasse billige Tulpen anbieten. "Wir werden durch den Mindestlohn abends nicht mehr Geld in der Kasse haben", sagt Srocke. Die Preise für Blumen würden steigen. "Aber gleichzeitig müssen wir auch mehr Geld für das Personal ausgeben."

Vor Kurzem habe ihn ein Mitarbeiter gefragt, ob er jetzt, wo der Mindestlohn eingeführt wird, 9,50 Euro verdienen werde. Srocke zögert noch. "Wir würden alle gerne mehr zahlen, aber der Kunde gibt nur einen gewissen Betrag für seine Blumen aus." Über Lohnerhöhungen will Srocke im nächsten Jahr entscheiden.