Um den Rapper Bushido live zu sehen – und zwar so nah wie möglich – hat Dusty ungefähr genauso lang gewartet wie auf diese Primark-Eröffnung: Dusty, 20 Jahre alt, umgedrehte Baseballmütze, Kapuzenpullover, sitzt mit seiner Freundin Carola schon seit acht Uhr auf den Stufen vor der Absperrung. Sie wollen die Ersten sein, die reinkommen in die neue Primark-Filiale am Alexanderplatz in Berlin. Am Mittag soll es so weit sein.           

Dusty und Carola kommen aus Spandau im Westen der Hauptstadt. Er arbeitet als Koch, den Tag heute hat er sich freigenommen. Carola ist im Mutterschutz, die Oma passe auf das Kind auf. "Vielleicht finde ich in der Kinderabteilung wat schönes für die Kleene." Während sie und Dusty Brötchen von Backfactory und Fanta frühstücken, besprechen ein paar Hundert Meter entfernt die Sicherheitsleute den Einsatz.   

Die Filiale am Alex ist der 13. Laden in Deutschland, drei weitere werden in diesem Jahr noch folgen. Sie ist ein Flagship-Store mit 5.000 Quadratmetern Verkaufsfläche, auf denen T-Shirts für fünf und Hosen für 15 Euro verkauft werden. Es ist die zweite Filiale in Berlin. Selbst der irische Regierungschef Enda Kenny ist zur Primark-Eröffnung angereist. "Meine Schwester war vor zwei Jahren bei der Eröffnung in Steglitz, da jab’s Gutscheine", sagt Carola, die fast komplett in Primark gekleidet ist: Schuhe, Pulli und das Hemd darunter. Dusty trägt ebenfalls Schuhe, Hose und T-Shirt der irischen Marke.   

Billigmode - Primark-Filiale eröffnet begleitet von Protesten Die irische Modekette Primark steht wegen ihrer Produktionsbedingungen in der Kritik. Am Berliner Alexanderplatz hat das Unternehmen eine weitere Filiale eingeweiht. Mit Unterstützung des irischen Premierministers und begleitet von Protesten.

Dusty und Carola gehören zu denjenigen, die bei Modeketten wie H&M und Zara auf den Preis schauen müssen. Bei Primark tun sie das auch – und freuen sich, weil sie sich statt eines T-Shirts gleich zwei oder drei leisten können. Kostet ja dasselbe.

Über den Preis demokratisiert Primark die Mode

Genau das ist das Geschäftsmodell. Primark gibt Menschen wie Dusty und Carola das Gefühl, gleichwertig zu sein: Sie können genauso aussehen wie diejenigen, die bei H&M, Zara oder anderswo einkaufen. Primark hat die Mode endgültig demokratisiert.

Diesen Prozess angestoßen haben Ketten wie H&M und Zara: H&M wirbt mit Supermodels wie Gisele Bündchen. Zara kopiert Teile aus teuren Designerkollektionen. Primark macht das alles noch konsequenter, weil noch viel günstiger. Amazing fashion, amazing prices, das ist der Slogan. 

Kira, 17, sitzt mit ihrer Mutter auf dem Rand des Brunnens auf dem Alexanderplatz, gegenüber des Primark-Eingangs. Die beiden sind vorgestern aus Flensburg angereist, spontan, weil Kira im Internet von der Eröffnung gelesen hatte. Kira ist arbeitslos. Die Videos von Primark-Eröffnungen in anderen Städten hat sie sich auch angeschaut. Junge Frauen schreien, als ob sie vor Justin Bieber stehen. 

"Alle meine Freunde tragen Primark", sagt sie. Tags zuvor hat sie schon mal vorgeshoppt. Mit ihrer Mutter war sie in der Filiale in Steglitz. Stolz zeigt Kira jetzt ihre neue Handyhülle mit roten Londoner Telefonzellen als Motiv, und die pinken Flipflops. Beides zusammen kostete 6,50 Euro. Gleich will sie weiter einkaufen, "ich brauch’ kurze Klamotten", sagt sie. Kira trägt gerade ein kurzes Kleid mit freien Schultern.