Die Europäische Union und die USA haben angekündigt, die Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf die politische Krise in der Ostukraine weiter zu verschärfen. Die USA weiten die bestehenden Sanktionen auf die Rohstoffkonzerne Gazprom und Rosneft aus und auch die EU wird erstmalig Unternehmen auf ihre schwarze Liste setzen und Investitionen in öffentliche Projekte stoppen. Die EU will bis Donnerstag Vorschläge erarbeiten.

Ob es etwas nützt? Bisher scheint die russische Außenpolitik davon unbeeindruckt und es ist zu erwarten, dass auch die neuerliche Verschärfung zumindest politisch verpuffen wird. Da drängt sich die Frage auf: Sind wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland überhaupt geeignet, dessen Außenpolitik zu beeinflussen? Sind Wirtschaftssanktionen dazu überhaupt in der Lage?

Einige Forscher kommen in empirischen Studien zum Schluss, dass sogenannte Smart Sanctions, die sich gezielt gegen eine bestimmte Personengruppe oder einen strategischen Sektor richten, effektiv sein können. Andere halten es für entscheidender, wie hart eine Sanktion das Land gesamtwirtschaftlich trifft. In jedem Fall kann der Effekt von Wirtschaftssanktion nur selten exakt bestimmt werden, da diese meist nur ein Teil des außenpolitischen Konflikts sind.

Koordinierte Maßnahmen zeigen Wirkung

Aus der Vergangenheit lassen sich jedoch Faktoren ableiten, die zum Erfolg von Wirtschaftssanktionen beitragen können. Da ist zunächst die Größe der Volkswirtschaft: Je kleiner die Wirtschaftskraft des sanktionierten Landes, desto schwerer kann es die Strafen in der Regel absorbieren. Wichtig sind auch die politischen und ökonomischen Verbindungen zwischen den beteiligten Ländern. Gary C. Hufbauer, einer der bedeutendsten Forscher auf diesem Gebiet, sagte dazu einmal, es sei "effektiver, einen Freund als einen Feind zu bestrafen", da in diesem Fall sehr viel mehr auf dem Spiel stehe. 

Ein weiterer Faktor ist der multilaterale Charakter der Maßnahmen: Koordinierte Sanktionen mehrerer Länder erhöhen die Erfolgsaussichten, da das sanktionierte Land nicht einfach seinen Handelspartner austauschen kann. Dies hat allerdings den Nachteil, dass sich die Beteiligten auf einen gemeinsamen Nenner einigen müssen – und der  ist, wie die EU-Sanktionen gegen Russland zeigen, oftmals eher überschaubar.

Die Skepsis hinsichtlich der Erfolgschancen der Wirtschaftssanktionen gegen Russland ist deshalb durchaus verständlich: Das Land ist eine relativ große Volkswirtschaft und ist aufgrund seiner immensen Bodenschätze in der Lage, mit ökonomischer Isolation zumindest temporär umzugehen. Hinzu kommt, dass Russland über große Dollarreserven verfügt und die Staatsverschuldung  gering ist. Durch Öl- und Gasexporte erzielt es seit Jahren Außenhandelsüberschüsse. Gleichzeitig hat die Europäische Union als Handelspartner eine zentrale Rolle, während die USA bis auf einige strategische Industrien eher unwichtig sind für die russischen Handelsbeziehungen. So stand im Jahr 2013 ein Außenhandelsumsatz von 326 Milliarden Euro zwischen EU und Russland lediglich einem Umsatz von 21 Milliarden Euro zwischen Russland und den USA gegenüber.