Eine Apple-Filiale in London © Reuters

Schon ein kurzer Blick in die Bilanz von Amazon zeigt ein Unternehmen wie aus zwei verschiedenen Welten. Beim Umsatz spielt der Versandhändler in der höchsten Liga mit: 8,7 Milliarden Euro nahm der Konzern 2012 hierzulande durch den Verkauf von Büchern, Jeans und Kochtöpfen ein – der Umsatz eines kleinen Dax-Konzern. Doch wenn es ans Steuerzahlen geht, ändert sich das Bild. Dann sackt Amazon plötzlich auf das Niveau eines Mittelständlers ab: Lediglich 3,2 Millionen Euro musste das Unternehmen an den deutschen Fiskus abdrücken.

Möglich wird diese Steuerschummelei durch eine Gesellschaft in Luxemburg, auf die Amazon zahlreiche Markenrechte und Patente überschrieben hat. Luxemburg erhebt auf Gewinne aus geistigem Eigentum kaum Steuern – was es für Amazon attraktiv macht, die Umsätze aus Deutschland über die Grenze zu schieben. Ganz legal, versteht sich.

Verdiene wie ein Großer, versteuere wie ein Kleiner

Verdiene wie ein Großer, versteuere wie ein Kleiner – nicht nur Amazon wirtschaftet nach diesem Motto. Der Computerhersteller Apple zahlt auf jeden verdienten Euro in Deutschland nur 1,9 Cent Steuern. Die Café-Kette Starbucks drückt sich um die Körperschaftssteuer für ihre deutschen Filialen – legal und erfolgreich.

Was Steuerberater gern als "kreative Buchhaltung" verniedlichen, kostet den deutschen Steuerzahler nicht nur Milliarden – sondern verschafft den Großkonzernen auch noch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber kleineren Konkurrenten.

Denn der Weg zu solchen Manipulationen lässt sich auf die einfache Formel bringen: Je internationaler ein Unternehmen aufgestellt ist, desto leichter ist es, Steuern zu sparen. Starbucks kann seine Gewinne einfach in Steueroasen wie Irland oder die Niederlande verlagern – das kleine Café von nebenan hat diese Möglichkeit nicht.

"Solche Tricks nutzen vor allem den größeren Konzernen, die international tätig sind. Sie können Schlupflöcher im jeweiligen Steuerrecht ausnutzen", sagt Markus Henn vom Netzwerk Steuergerechtigkeit, das sich für ein solidarischeres Finanzsystem einsetzt.

Ähnlich sieht das auch Nadina Riedel. Die Ökonomin forscht an der Ruhr-Universität Bochum zu multinationalen Unternehmen, die ihre Gewinne ins Ausland verschieben. Sie sagt: "Firmen, die nur in Deutschland vertreten sind, haben es sehr schwer, auf legale Weise die Steuern zu drücken."

Der Schaden für die deutsche Volkswirtschaft durch Gewinnverschiebungen ist laut Riedel enorm: Eine aktuelle Studie geht davon aus, dass multinationale Firmen hierzulande etwa 30 Prozent weniger Steuern zahlen als vergleichbare deutsche Unternehmen. Dem Fiskus entgehen so jährliche Steuereinnahmen in Höhe von rund fünf Milliarden Euro.