Es ist sein drittes Amtsjahr – und jetzt holt Eric Schneiderman zum großen Schlag aus. Vergangene Woche verklagte der Generalstaatsanwalt von New York die britische Großbank Barclays wegen betrügerischer Aktivitäten in deren Dark Pool. Ein Dark Pool ist eine abgeschottete Handelsplattformen für Aktien. Hier bevorzuge die britische Bank Hochfrequenzhändler gegenüber herkömmlichen Investoren, so Schneidermans Vorwurf. 

 

Es ist das erste große Justizverfahren gegen die ominösen Schatten-Plattformen, die immer bedeutender werden. Rund 40 Prozent der Aktienhandels werden inzwischen über andere Handelsplattformen als die Börse abgewickelt, 15 Prozent davon in Dark Pools. Großinvestoren lieben die abgeschottete Handelswelt, denn dank erhöhter Anonymität können sie sich hier vor Blitzhändlern abschirmen, die sonst mit ihren schnellen Trades den Kurs zu deren Ungunsten verändern. Bislang sind diese intransparenten Finanzplätze kaum reguliert.

Die Wall Street und ihre Kommentatoren sind von Schneiderman entsprechend beeindruckt. Die New York Times nennt die Anklage "vernichtend". Endlich lasse Schneiderman die Muskeln spielen gegenüber der Wall Street, schreibt Reuters. "Schneiderman verdient eine Menge Anerkennung dafür, diese Klage und mögliche folgende angestoßen zu haben, während die SEC dasitzt und Däumchen dreht", sagt Wertpapieranwalt Andrew Stoltman. Der Generalstaatsanwalt dürfte die US-Börsenaufsicht ziemlich "angepinkelt" haben. Zwischen der US-Börsenaufsicht und den Bundesbehörden herrsche eine erbitterte Rivalität.

Anklage trifft die Wall Street mit voller Wucht

Nicht alle teilen allerdings die Euphorie. Susan Webber, die in ihrem Finanzblog Naked Capitalism unter dem Pseudonym Yves Smith schreibt, urteilt, Schneiderman sei  noch zu vorsichtig. Barclays habe "richtig schmutzige Sachen" gemacht. Der aktuelle Dark-Pool-Fall sei dem Generalstaatsanwalt doch auf dem Silbertablett präsentiert worden. 

Trotzdem trifft die Anklage die Wall Street mit voller Wucht und komplett unvorbereitet. Keine Details waren im Vorfeld durchgesichert – ein sonst übliches Verfahren, um die Märkte vorzubereiten. Umso größer ist nun die öffentliche Aufregung.

Den Wirbel um seine Person kann Schneiderman gut gebrauchen: Dem Demokraten werden politische Ambitionen nachgesagt. Als Generalstaatsanwalt von New York, eine Art Justizminister des US-Bundesstaates, spielt er in der Liga der bedeutendsten Aufseher der Nation mit. Schon seine Amtsvorgänger hatten den Job genutzt, um sich auf ein politisches Amt vorzubereiten. Seine Amtsvorgänger Andrew Cuomo und Eliot Spitzer wurden jeweils Gouverneure des Bundesstaats New York.

Schon wird gewitzelt, dass die Abkürzung AG nicht nur für Attorney General (Generalstaatsanwalt) stehe, sondern auch für Almost Governor (fast Gouverneur). "Sie würden es nie öffentlich zugeben, aber New Yorker Generalstaatsanwälte streben alle höhere Ämter an", sagt Peter Henning, Fachmann für Wirtschaftskriminalität an der Wayne State University.