Die EU-Länder werden unterschiedlich stark von dem von Russland beschlossenen Einfuhrverbot getroffen. Der Boykott umfasst Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Obst und Gemüse. 

Für das Agrarland Polen ist der russische Einfuhrstopp schmerzhaft. Landwirtschaftsminister Marek Sawicki kündigte an, Klage bei der Welthandelsorganisation WTO einzureichen. "Wir sind der Meinung, dass Russland sowohl beim Embargo gegen Polen wie auch beim Embargo gegen die EU internationales Recht gebrochen hat", sagte er im Fernsehsender TVP. Bereits seit Beginn des russischen Embargos für polnisches Obst und Gemüse vor einer Woche führt Sawicki Gespräche über finanzielle Entschädigung mit der EU-Kommission. 

Auch Italiens Wirtschaft und Politik befürchten wegen der russischen Sanktionen Hunderte Millionen Euro an Einbußen für den Agrar-Sektor des Landes. "Die Entscheidung der Regierung in Moskau wird zum Rückgang von etwa 25 Prozent unserer Exporte nach Russland führen", schätzte Riccardo Monti, Chef des Außenhandelsverbandes ICE. Das Embargo drohe derzeit Agrargüter im Wert von etwa 183 Millionen Euro zu treffen. 2013 hat Italien nach Angaben des Statistikamtes Istat Agrargüter im Wert von etwa 700 Millionen Euro nach Russland exportiert, bei Gesamtausfuhren nach Russland in Höhe von mehr als zehn Milliarden Euro.

Griechenland rechnet ebenso mit negativen Konsequenzen. Die russischen Sanktionen treffen vor allem die griechischen Obst- und Gemüseproduzenten im Norden des Landes. Auch die Fischerei und die Hersteller  von Joghurt und Fetakäse könnten schwere Verluste erleiden, wie der Verband der griechischen Exporteure mitteilte. Man bräuchte dringend einen Alternativplan, um die Produkte an andere Märkte zu leiten. Nach ersten Schätzungen könnten die griechischen Gemüse- und Obstexporteure Verluste in Höhe von 178 Millionen Euro erleiden. Die Gesamtexporte Griechenlands nach Russland betrugen im vergangenen Jahr 406 Millionen Euro.

Vergleichsweise stark ist auch Spanien von den russischen Sanktionen betroffen. Die Exporte von Agrarprodukten aus Spanien, die nun unter den russischen Importstopp fallen, machten im vorigen Jahr ein Volumen von etwa 400 Millionen Euro aus. Die spanischen Bauernverbände äußerten sich besorgt und verlangten Kompensationen von der EU. Die Entscheidung des Kreml trifft in Spanien besonders die Hersteller von Zitrusfrüchten, Kernobst, Tomaten, Paprika und anderem Gemüse. 

Umfang der Einbuße in Deutschland unklar

Um den betroffenen lettischen Exportunternehmen zu helfen, rief die Regierungschefin Laimdota Straujuma die Letten auf, mehr einheimische Milch- und Fischprodukte zu kaufen. Litauens Staatschefin Dalia Grybauskaite kritisierte Russland als "völlig unzuverlässigen und unberechenbaren Wirtschaftspartner". Wirtschaftsminister Evaldas Gustas schätzte, dass die Handelssanktionen die litauische Wirtschaft 0,2 Prozentpunkte Wachstum kosten könnten.

Auch deutsche Unternehmen und Landwirte müssen mit Einbußen rechnen. Der Umfang ist allerdings noch unklar. Von den Sanktionen seien deutsche Exporteure massiv betroffen, teilte der Bundesverband Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen mit. Insbesondere für hochwertig verarbeitete Lebensmittel sei Russland ein wichtiger Abnehmer. Nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbands hingegen wird der Boykott die deutsche Landwirtschaft nur begrenzt zusätzlich treffen. Produkte wie Obst und Gemüse sowie Geflügel- und Rindfleisch hätten für den deutschen Export nach Russland nur eine geringe Bedeutung.