Die Europäische Zentralbank (EZB) zieht angesichts wachsender Deflationssorgen massive Wertpapierkäufe in Betracht. Die Notenbank habe ihre Vorbereitungen für ein Programm zum Kauf von Kreditpaketen (Asset Backed Securities/ABS) verstärkt, sagte EZB-Präsident Mario Draghi. Es sei aber noch keine endgültige Entscheidung getroffen: "Wir wollen vorbereitet sein, darum haben wir die Vorbereitungen intensiviert." Ein solcher Schritt könnte Geschäftsbanken Freiräume für neue Kredite verschaffen. 

Falls die Inflation niedriger ausfallen werde als bisher erwartet, sei die EZB-Spitze zu diesem Schritt bereit, sagte Notenbank-Chef Mario Draghi. Ein solches Ankaufprogramm – im Fachjargon "Quantitative Easing" genannt – dient als letztes Mittel, um eine Deflation zu verhindern.

Mit Blick auf die Konjunktur zeigte sich die Bank skeptisch. Die Erholung gehe zwar weiter, aber nicht stetig, sagte Draghi nach der Ratssitzung in Frankfurt. Die zuletzt gestiegenen geopolitischen Risiken könnten die Wirtschaft negativ beeinflussen. Die EZB werde diese Auswirkungen und auch die Entwicklungen bei den Wechselkursen genau im Auge behalten, sagte Draghi. Es sei schwer einzuschätzen, welche Folgen die Sanktionen im Ukraine-Konflikt und die Gegenmaßnahmen Russlands hätten.

Die Wirtschaft war zuletzt auch wegen der Folgen der Ukraine-Krise geschwächt worden – auch in Deutschland. Zu den Konjunktursorgen der EZB trägt auch bei, dass Italien als drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone wieder in die Rezession gerutscht ist und die Konjunktur in Frankreich weiter schwach bleibt.

Leitzins bleibt trotz gesunkener Inflation niedrig

Die Währungshüter beließen den Leitzins trotz der erneut gesunkenen Inflation auf dem Rekordtief von 0,15 Prozent. Die jüngsten Inflationsdaten hatten den Druck erhöht: Sinkende Energiepreise drückten die Teuerung in den 18 Euro-Ländern im Juli auf 0,4 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2009. Die EZB strebt stabile Preise bei Raten knapp unter 2 Prozent an. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und können so die Wirtschaft ankurbeln. Das stärkt in der Regel auch den Preisauftrieb. 

Allerdings hatte die EZB erst Anfang Juni ein beispielloses Paket im Kampf gegen Mini-Inflation und Konjunkturflaute beschlossen: Der Leitzins sank von 0,25 Prozent auf 0,15 Prozent, zudem müssen Banken einen Strafzins zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Ab September gilt ein neues Programm mit Langfristkrediten für Banken. 

Die meisten Volkswirte gehen davon aus, dass sich die EZB auch mit weiteren Sondermaßnahmen zunächst zurückhalten wird. EZB-Präsident Mario Draghi selbst hatte bei der letzten Ratssitzung Anfang Juli zwar die Bereitschaft der Notenbank bekräftigt, notfalls mit weiteren Sondermaßnahmen auf eine für die Konjunktur gefährliche "zu lange Periode niedriger Inflationsraten" zu reagieren. Draghi hatte aber zugleich gesagt: "Wir wollen die Wirkung der Maßnahmen abwarten – und die Auswirkung wird substanziell sein."