Wenn jemand weiß, wie schnell der Wind im Immobiliengeschäft drehen kann, dann ist das Harry Macklowe. Der Bauunternehmer war einmal einer der reichsten und einflussreichsten Männer New Yorks. 2007 kontrollierte er ein Immobilienimperium in Manhattan im Wert von mehreren Milliarden Dollar. Finanziert wurde es zum großen Teil durch Kredite der Deutschen Bank.

Dann platzte die US-Immobilienblase. Macklowe verlor alles und zog sich aus seinem gebeutelten Unternehmen zurück. Sechs Jahre später ist Macklowe wieder im Geschäft. Und wie. Sein Luxuswolkenkratzer 432 Park Avenue in Manhattans Midtown ist gerade im Bau und soll im kommenden Jahr mit einer Höhe von 426 Metern das Dach des Empire State Building um 45 Meter überragen. Für die Appartements in dem Hochhaus werden schon jetzt astronomische Preise aufgerufen: Ein Penthouse soll beispielsweise 60 Millionen Euro kosten.

Manhattan erlebt gerade den größten Immobilienboom seit den späten zwanziger Jahren. 432 Park ist nur einer von fünf Wohntürmen, die derzeit rund um die 57. Straße bereits fertiggestellt oder noch im Bau sind. Ihre aberwitzig teuren Wohnungen werden an Oligarchen, Scheichs und heimische Multimillionäre verkauft.

Macklowe wittert das große Geschäft mit New Yorks wachsender Popularität unter den Superreichen. Doch Kritiker sehen ihn vor allem als Symbol dafür, wie wenig die US-Immobilienbranche aus dem jüngsten Crash gelernt hat. Immer mehr Experten fürchten, dass in New York gerade die nächste Immobilienblase entsteht.

Die laxe Kreditvergabe ist zurück

"Die Nachfrage ist nicht grenzenlos", sagte Seth Pinsky, Vizepräsident des Immobilieninvestors RXR und ehemaliger Leiter der New Yorker Stadtentwicklungsbehörde, bereits Ende 2013. "Sie können ziemlich sicher sein, dass auf einen solchen Preisanstieg eine Anpassung folgen wird."

Sorgen macht einer wachsenden Anzahl von Bauunternehmern und Ökonomen vor allem der Luxus-Wohnmarkt. Die Zahlen scheinen ihnen Recht zu geben. Der durchschnittliche Wohnungspreis in Manhattan stieg im vergangenen Jahr um etwa 18 Prozent auf umgerechnet 1,3 Millionen Euro. Luxuswohnungen verteuerten sich gar um 38 Prozent. Mieten und Gehälter stiegen im gleichen Zeitraum deutlich langsamer.

Auch der Markt für Bürogebäude gibt Anlass zur Sorge. Bürotürme und Grundstücke sind in Teilen Manhattans extrem teuer geworden. Gekauft werden sie trotzdem: Ende Juli zahlte der Investor New York REIT umgerechnet 252 Millionen Euro für ein zwölfstöckiges Bürogebäude in Chelsea. Der bisherige Besitzer Savanna hatte es im November 2012 für 57 Millionen Euro gekauft.

Befeuert wird der Immobilienboom zum Teil durch eine Rückkehr der laxen Kreditvergabe aus den Jahren vor dem großen Crash. Sogenannte CMBS, in Anleihen verpackte Hypotheken auf kommerzielle Gebäude, sind wieder schwer in Mode. Banken und private Geldgeber sind bereit höhere Risiken einzugehen – angestachelt durch wachsende Konkurrenz und extrem niedrige Zinsen. "Die Risikobereitschaft der Geldgeber ist heute größer als 2007", sagt der Manager eines New Yorker Versicherungsunternehmens.