Ein indischer Bauer beim Pflügen, etwa 70 Kilometer von der Stadt Ahmedabad entfernt © Sam Panthaky/AFP

Für die Welthandelsorganisation WTO ist es ein schwerer Rückschlag: Indien hat das neue globale Freihandelsabkommen platzen lassen – in letzter Minute. Noch im vergangenen Dezember hatte das Land nach zähen Verhandlungen auf Bali dem Abkommen zugestimmt und sich damit bereit erklärt, die staatlichen Subventionen für Nahrungsmittel einzuschränken. Alleine die Tatsache, dass nach Jahren erfolgloser Verhandlungen überhaupt ein neues WTO-Abkommen zustande kam, wurde damals als Durchbruch gefeiert.

Jetzt zieht Indien seine Zusage zurück. Die neue Regierung, die mittlerweile im Amt ist, will auf die Subventionen nicht verzichten.

Sie tut gut daran. Denn das indische System der staatlich geförderten Nahrungsmittelkäufe hilft vor allem den Ärmsten der Armen. Gerade in Krisenzeiten kauft der indische Staat Grundnahrungsmittel auf und verteilt sie an Notleidende. Das Verfahren soll auch helfen, eine staatliche Nahrungsmittelreserve vorzuhalten. Eine solche Reserve empfehlen Vereinte Nationen, G20 und andere internationale Organisationen den Staaten, die Schwierigkeiten haben, den Nahrungsbedarf der eigenen Bevölkerung zu decken. Sie ist eine sinnvolle Sache.

Doch vor allem die USA werteten das als Handelsverzerrung und drängten darauf, die Subventionen stark einzuschränken. Dabei gilt das indische System unter Entwicklungsexperten als ausgesprochen effektiv. Es schützt die Ärmsten vor Hunger, stärkt so die Ernährungssicherheit im Land und funktioniert nach klaren Regeln. Nebenbei stützt es die Bauern, denen die Regierung etwas höhere Preise zahlen kann als der Markt. Eigentlich lässt die WTO solche Subventionen sogar zu. Aber weil die Nahrungspreise in den vergangenen Jahren so stark gestiegen sind, überstieg das Volumen des indischen Programms die von der Freihandelsorganisation erlaubten Grenzen.

Bisher maß die WTO in solchen Fällen mit zweierlei Maß. Den mächtigen Industrieländern gestand sie Ausnahmen von der Regel zu. Auch die USA subventionieren ihre Bauern – aber ihnen geht es um Exporte und Marktzugänge, nicht um die Bekämpfung des Hungers. Durch seine Weigerung, den im Dezember auf Bali gefundenen Kompromiss mitzutragen, wirft Indien eine wichtige Frage auf: Was ist wichtiger, das Recht auf Nahrung oder der Freihandel der Reichen? Bis jetzt gaben die reichen Industrie- und Schwellenländer in der WTO den Ton an. Es wird Zeit, dass auch die Entwicklungsländer Gehör finden.