Container im Hamburger Hafen © Fabian Bimmer/Reuters

Die deutsche Industrie hat im Juni den stärksten Auftragseinbruch seit September 2011 hinnehmen müssen. Vor allem die Nachfrage aus dem Euro-Raum ging deutlich zurück, teilte das Statistische Bundesamt mit. Das Bundeswirtschaftsministerium gab als Erklärung die Zurückhaltung vieler Investoren wegen der diversen internationalen Konflikte an. Ökonomen erwarten, dass sich die Produktion in den kommenden Monaten eher schwach entwickeln wird.

Bereits im Mai dieses Jahres waren die Aufträge um 1,6 Prozent zurückgegangen. Im Juni sank das Auftragsvolumen dann noch einmal um 3,2 Prozent. Gegenüber September 2011 ist dies ein Minus von 3,4 Prozent. Volkswirte hatten hingegen mit einem geringen Zuwachs gerechnet.

Vor allem die Nachfrage aus dem Euro-Raum nach Waren aus Deutschland brach ein: Der Auftragseingang lag im Juni um 10,4 Prozent niedriger als im Vormonat. Die Bestellungen aus dem restlichen Ausland blieben auf Mai-Niveau. Insgesamt nahmen die Auslandsaufträge um 4,1 Prozent ab, aus dem Inland kamen 1,9 Prozent weniger Bestellungen.

Ukraine-Krise verunsichert Unternehmen

Zuletzt hatte die Ukraine-Krise für trübere Stimmung in der deutschen Wirtschaft gesorgt. Vor allem wegen der schärferen Sanktionen gegen Russland kam Verunsicherung auf. Nach Angaben von Ökonomen sei das geringere Auftragsvolumen jedoch nicht allein auf diesen Konflikt zurückzuführen. "Die heutigen Daten zeigen, dass die Abwärtsrisiken für die deutsche Wirtschaft nicht nur von geopolitischen Spannungen stammen, sondern auch von einer Nachfrageschwäche aus der Euro-Zone, die länger anhält als erwartet", sagte ein Bankenanalyst.

Das Wirtschaftsministerium erklärte: "Vor allem die geopolitischen Entwicklungen und Risiken dürften zu einer gewissen Zurückhaltung bei den Bestellungen geführt haben." Stark unterdurchschnittlich fielen demnach im Juni Großaufträge aus. Ein Ökonom sagte, das Minus von insgesamt 3,2 Prozent sei ausschließlich auf deutlich weniger Bestellungen im Bereich "sonstiger Fahrzeugbau" (Flugzeuge, Schiffe) zurückzuführen.

Zu Jahresanfang war die deutsche Wirtschaft noch kräftig um 0,8 Prozent gewachsen. Für das abgelaufene Quartal rechnen die meisten Ökonomen mit einem deutlich schwächeren Wachstum.