Eine Leihmutter in Indien © Mansi Thapliyal/Reuters

Glück kann man nicht kaufen, heißt es, wahre Liebe auch nicht. Das Produkt einer wahren Liebe dagegen schon: Für 5.000 bis 100.000 Dollar kann man die Geburt eines Kindes in Auftrag geben. Alles, was man dafür braucht, sind ein paar Samen- und Eizellen (es müssen nicht einmal die eigenen sein) und eine Frau, die das Kind austrägt und zur Welt bringt. Was zynisch klingt, ist längst zehntausendfach praktizierte Realität. Denn für viele Paare, die ungewollt kinderlos bleiben, ist es die letzte Chance, sich den großen Traum von einer Familie zu erfüllen. Eine geschätzt fünfstellige Zahl von Erdenbürgern ist in den vergangenen 30 Jahren schon auf diese Weise auf die Welt gekommen. Schließlich hilft eine immer größer werdende Industrie dabei mit. Und sie verdient prächtig daran.

Genau dieser Umstand ist es auch, der die Branche schon oft in Verruf gebracht hat. Den Dünkel von Menschenhandel und Ausbeutung hat sie nie wirklich abgelegt. Das hat der Fall Gammy gerade wieder verdeutlicht, bei dem ein australisches Paar von einer thailändischen Frau Zwillinge hatte austragen lassen. Doch ließen die neuen Eltern eines der Babys im Krankenhaus zurück. Es leidet am Down-Syndrom und einem Herzfehler. Die Reaktion der Öffentlichkeit folgte prompt, als der Fall publik wurde: Es dürfe nicht sein, dass Eltern ein auf Bestellung ausgetragenen Baby reklamieren dürften, nur weil "das Endprodukt" nicht den Qualitätskriterien genüge.

In Deutschland ist die Leihmutterschaft verboten. Das Embryonenschutzgesetz sieht hohe Strafen für Ärzte vor, falls sie in solchen Fällen tätig werden: "Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer […] es unternimmt, bei einer Frau, welche bereit ist, ihr Kind nach der Geburt Dritten auf Dauer zu überlassen (Ersatzmutter), eine künstliche Befruchtung durchzuführen oder auf sie einen menschlichen Embryo zu übertragen", heißt es im Gesetz.

Agenturen werben um elternlose Kinder

Dagegen wird die Leihmutter selbst nicht verfolgt, ebenso wenig wie ihre Auftraggeber, also die Eltern, die unbedingt ein Kind bekommen wollen. Und vermutlich ist genau das der Grund, weswegen die Gesetze viele deutsche Paare nicht davon abhalten, auf eben diese Weise ein Kind zu bekommen – nur eben im Ausland.

Schon direkt hinter der Grenze ist einiges erlaubt, was in Deutschland verboten ist: In den Niederlanden wird nur die öffentliche Suche nach einer Leihmutter gesetzlich verfolgt. In Belgien und Großbritannien ist nur die kommerzielle Leihmutterschaft verboten. Wird eine Frau nicht für das Austragen eines Kindes bezahlt, weil sie es aus altruistischen Gründen tut – um Freunden oder Verwandten zu helfen, dann ist es erlaubt. Und in Griechenland dürfen alleinstehende Frauen ganz offiziell Leihmütter anheuern. Nun dürfte es aber in der Praxis schwer werden, sich ohne entsprechende Kontakte in diesen Staaten den eigenen Wunsch vom Kind zu erfüllen.

Der ganz große Babyboom findet daher in den Ländern statt, die in denen die Leihmutterschaft ein ganz legales Geschäft ist: in 18 von 50 Bundesstaaten der USA ist das so, in Indien, Thailand (das jetzt aber an einem Verbot arbeitet) oder in der Ukraine. In allen diesen Ländern gibt es sogar Agenturen. Ihr Angebot: Sie fädeln den Deal zwischen Eltern, Fruchtbarkeitskliniken und Mietmüttern vor Ort ein und vermitteln zwischen den Parteien – von der Zeugung bis zur Empfängnis.