Als Reaktion auf die Sanktionen des Westens hat Russland für ein Jahr Einfuhrverbote für Lebensmittel und andere Waren verhängt. Betroffen seien jene Länder, die im Ukraine-Konflikt Strafmaßnahmen gegen Moskau erlassen haben, heißt es in einem Dekret von Präsident Wladimir Putin. 

Putin sagte, er habe angeordnet, zum Schutz "nationaler Interessen" den Import aus Ländern, die Russland im Zuge der Ukraine-Krise sanktioniert hatten, für ein Jahr "zu verbieten oder zu begrenzen." Das Einfuhrverbot umfasst demnach landwirtschaftliche Produkte, Rohstoffe und Lebensmittel.

Russland will nun offenbar mehr Waren aus südamerikanischen Ländern importieren. Laut der Agentur Interfax seien Gespräche mit den Botschaftern Ecuadors, Brasiliens, Chiles und Argentiniens für Donnerstag geplant. Die Agentur beruft sich auf die Lebensmittelaufsicht. Zugleich teilte die Behörde mit, sie habe 91 brasilianische Lebensmittelhersteller für den russischen Markt zugelassen.

Konkrete Produkte sollen am Donnerstag aufgelistet werden

Putin hatte zuvor eine Reaktion auf die Sanktionen der EU und der USA sowie von Kanada, Japan und anderen Ländern angedroht. Er hatte betont, dass diese Schritte nicht zum Schaden russischer Verbraucher sein dürften.  

Moskauer Medien hatten allerdings bereits nach einem Importstopp für Obst aus Polen vor Preisanstiegen von etwa 40 Prozent bei Äpfeln gewarnt. Russland hatte zuletzt mehrere Importverbote für westliche Produkte erlassen, diese aber mit mangelnder Hygiene begründet.

Konkrete Staaten oder Produkte sollen erst am Donnerstag aufgelistet werden. Bereits bekannt ist ein Importstopp aller Agrarprodukte aus den USA. "Alle Produkte, die dort produziert wurden und nach Russland gebracht werden, werden verboten", ließ Alexej Alkexeenko von der Gesundheitsbehörde mitteilen.   

Mit diesem Schritt würde Russland die eigene Wirtschaft schwächen und sich noch mehr isolieren, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses. Sie wies zudem darauf hin, dass auch die russische Zentralbank davor gewarnt habe, dass ein Importverbot auf Lebensmittel die Inflation erhöhen und die Kaufkraft russischer Bürger schmälern würde.

Russische Behörden wurden aufgefordert, möglichen schnellen Preissteigerungen entgegenzuwirken. Vor allem die großen russischen Städte sind zu einem wesentlichen Teil auf importierte Lebensmittel angewiesen – die meisten davon aus dem Westen.

Russlands Reaktion auf EU-Sanktionen

Vergangene Woche hatten die Europäische Union und die USA wegen der Verwicklung Moskaus in den Konflikt in der Ostukraine erstmals ganze russische Wirtschaftssektoren mit Sanktionen belegt. Sie trafen den russischen Energie-, Finanz- und Waffensektor. Die EU schränkte unter anderem den Zugang russischer Banken zu europäischen Finanzmärkten ein und verhängte ein Waffenembargo.

Der Westen wirft Russland vor, nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim auch im mehrheitlich russischsprachigen Osten der Ukraine die Rebellion prorussischer Separatisten mit Waffen und Ausbildung zu unterstützen. In den vergangenen Monaten hatten EU und USA deshalb bereits Kontensperrungen und Reiseverbote gegen Russen und Ukrainer verhängt, unter ihnen auch enge Vertraute Putins.