Nahrungsmittel aus der Europäischen Union und den USA können weiterhin nach Russland verkauft werden. Künftig dürften aus Weißrussland und Kasachstan Lebensmittel eingeführt werden, die dort aus westlichen Rohstoffen gefertigt wurden, sagte Vize-Ministerpräsident Arkadi Dworkowitsch russischen Nachrichtenagenturen zufolge. Einige Produkte, die bisher direkt nach Russland geliefert wurden, würden nun erst in den Nachbarstaaten verarbeitet, mit denen kürzlich eine Zollunion geschlossen worden war.

Russland will so offenbar Engpässe vermeiden. Denn bislang deckte Russland seinen Bedarf an Lebensmitteln etwa zur Hälfte aus dem Ausland. Aber seit dem 7. August besteht ein Importverbot für Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Obst und Gemüse aus den USA, der EU, Kanada, Australien und Norwegen. Die Strafmaßnahmen sind eine Reaktion auf Sanktionen der EU und der USA gegen Russland wegen der Ukraine-Krise

Russlands Präsident Wladimir Putin bat Zoll-Chef Andrei Belyaninov zum Rapport über die Lebensmittelkontrollen. Dieser versicherte Putin in dem veröffentlichten Gespräch, dass seine Behörde eng mit den weißrussischen und kasachischen kooperiere und in der Lage sei, die Einfuhr von Produkten von "minderer Qualität" zu verhindern. Die russische Regierung hatte Sanktionen auf importiertes Obst und Gemüse mit angeblich schlechter Qualität begründet.

Russland droht mit weiteren Sanktionen

In den vergangenen Tagen waren Berichte über einen starken Anstieg der Lebensmittelpreise sowie teils leere Supermarktregale in Russland veröffentlicht worden. Ministerpräsident Dmitri Medwedew sagte, er hoffe, das Einfuhrverbot werde nicht allzu lange bestehen bleiben. 

Andererseits deutete die russische Regierung an, noch mehr Importverbote zu beschließen. "Es werden verschiedene Optionen vorbereitet", sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Für den Fall, "dass unsere Partner ihre unkonstruktiven und sogar zerstörerischen Praktiken fortsetzen, werden zusätzliche Maßnahmen ausgearbeitet". Bereits am Montag gab es Berichte, die russische Regierung wolle die Importbeschränkungen auf Industriegüter wie Autos ausdehnen.