Ein Supermarkt von Metro in Moskau © Reuters

Frühstückszeit in einem Mittelklasse-Hotel im Zentrum von St. Petersburg. Das Buffet ist reichhaltig, es gibt Eier und Wurst in verschiedenen Varianten, als Aufschnitt, gekocht und gebraten. Nur die Auswahl daneben ist auffällig limitiert. Auf dem Hinweisschildchen neben einer einzigen Platte steht bloß ein Wort geschrieben: Käse.

Bis vor Kurzem habe es noch mehr Auswahl gegeben, heißt es vom Hotelpersonal. Ein Hinweis auf das Einfuhrverbot für diverse Lebensmittel, das Russland vor knapp zwei Wochen gegen Europa, die USA und andere Länder verhängte. Moskau reagierte damit auf die Sanktionen des Westens. Der russische Importstopp gilt unter anderem für Rind- und Schweinefleisch, Obst, Geflügel, Käse und andere Milchprodukte.

An einem der Tische im Speisesaal sitzt Viktoria, eine blonde Russin um die 40, und erzählt, wie sie im Supermarkt vor wenigen Tagen vor leergeräumten Regalen stand. Besonders die freien Stellen im Käseregal seien ihr aufgefallen. Dabei glaubt sie, dass der Importstopp "nicht so schlimm sein wird". Obst und Gemüse zu ersetzen sei doch kein Problem, meint sie. "Russische Produkte sind nicht unbedingt schlechter, aber es wird weniger Auswahl geben, sagt Viktoria. Sie selbst werde aber Lachs aus Norwegen vermissen.

Die Unterstützung für Putin ist immer noch groß

St. Petersburg steht wie keine andere russische Stadt für die Hinwendung des Landes nach Westen. 1703 gründete Zar Peter der Große die Metropole als Fenster nach Europa. Heute wendet sich Russland immer stärker von Europa ab. Die russische Regierung will die fehlenden Waren künftig aus heimischer Produktion ausgleichen, beziehungsweise aus anderen Ländern importieren, etwa aus Brasilien und Argentinien. Russland importiert offiziellen Angaben zufolge 40 Prozent aller Agrarprodukte und Lebensmittel aus dem Ausland.

Die Mehrheit der Russen unterstützt die russischen Gegensanktionen. Die Auswirkungen auf den Großteil der Bevölkerung dürften sich bislang auch noch in Grenzen halten. Die Folgen der russischen Gegensanktionen spürt in erster Linie die Mittelschicht in den großen Städten, die in den vergangenen Jahren das große Angebot importierter Waren, von französischem Camembert bis italienischer Salami, zu schätzen gelernt hat.

In den vergangenen Tagen gab es vermehrt Meldungen wie diese: Russland habe ein Schiff mit Hartkäse aus Italien zurückgeschickt, an der Grenze zu Kasachstan sei ein Lkw mit 20 Tonnen Geflügelfleisch aus den USA abgewiesen worden. Westprodukte können über die Zollunion mit Weißrussland und Kasachstan weiter nach Russland gelangen – sofern die Waren in den Ländern zuvor verarbeitet wurden. "Unsere Kollegen der Zollunion können davon profitieren", sagt der russische Vizepremier Arkadi Dworkowitsch.