Angestellte eines Molkereibetriebs im russischen Petrowskoje © Alexander Demianchuk/Reuters

Die Krise in der Ukraine und der Konfrontationskurs der russischen Regierung mit dem Westen ziehen Russlands Wirtschaft in Mitleidenschaft: Das Wachstum des Landes fiel im ersten Quartal deutlich geringer aus als erwartet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,8 Prozent – die Regierung hatte noch Anfang Juli mit einem Wachstum von 1,2 Prozent gerechnet.

Im ersten Quartal 2014 hatte es ein Plus von 0,9 Prozent gegeben. Im Vergleich zum Vorquartal von Oktober bis Dezember ging das Wachstum nun sogar um 0,3 Prozent zurück.

Grund für den Einbruch sind vor allem ausbleibende ausländische Investitionen. Nach der russischen Annexion der Krim setzte in Russland eine Kapitalflucht ein, Schätzungen zufolge wurden im ersten Quartal 75 Milliarden Dollar (56 Milliarden Euro) aus dem Land abgezogen. Zugleich investierten die Unternehmen weniger.

Für das Jahr 2014 geht Russland insgesamt von einem Wachstum von 0,5 Prozent aus. Ökonomen rechnen in der zweiten Jahreshälfte allerdings mit einer Stagnation. Der IWF hatte seinen diesjährigen Ausblick für die russische Wirtschaft Ende Juli um 1,1 Prozentpunkte auf noch 0,2 Prozent Wachstum gesenkt. In den ersten beiden Amtszeiten Wladimir Putins als Präsident – von 2000 bis 2008 – war die russische Wirtschaft jährlich etwa sieben bis acht Prozent gewachsen. 2012 waren es noch 3,4 Prozent, 2013 nur 1,3 Prozent. 

Ukraine will russisches Gas nach Europa leiten

Auch die internationalen Sanktionen gegen Moskau könnten einen Einfluss auf die russische Wirtschaftsleistung haben: Weil Russland die Separatisten im Osten der Ukraine unterstützt, haben die USA und die EU Wirtschaftsmaßnahmen gegen das Land verhängt. Die russische Regierung antwortete mit einem Importstopp für viele Lebensmittel aus dem Westen.  

Das ukrainische Parlament berät derzeit ebenfalls über Sanktionen gegen Russland, ein Transitverbot für Güter russischer Unternehmen wird diskutiert. Sollte es dazu kommen, könnte auch die Durchleitung von russischem Erdgas betroffen sein, hatte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk gesagt.

Nichtsdestotrotz will der ukrainische Netzbetreiber Naftogaz weiterhin Gas nach Europa leiten. "Naftogaz bekräftigt seine Bereitschaft, den reibungslosen Transport von Erdgas zu den europäischen Verbrauchern fortzuführen", sagte Firmenchef Andrej Kobolew. Das einzige Unternehmen, das russisches Gas durch die Ukraine nach Europa liefert, ist Gazprom, das etwa 30 Prozent des dortigen Bedarfs deckt. Seine Gaslieferungen an die Ukraine hatte Gazprom im Juni unter Verweis auf unbeglichene Rechnungen beendet.

Unter der Krise leiden auch andere osteuropäische Staaten. Die polnischen Exporte nach Russland brachen im ersten Halbjahr um 10,7 Prozent ein. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch ein Plus von 12,8 Prozent gegeben.