Die leeren Spielhallen des Trump Plaza in Atlantic City © Don Emmert/AFP/Getty Images

Die Snyders haben noch einmal Glück gehabt. "Mein Mann war Kartengeber am Pokertisch im Revel", erzählt Ehefrau Jennifer. Sie ist Managerin im Burgerrestaurant Johnny Rockets an der Strandpromenade in der US-Kleinstadt Atlantic City. Bei ihr im Restaurant, wie auch in der gesamten Stadt, ist das Casinosterben Thema Nummer eins.

Jetzt hat es auch das Revel erwischt, am Mittwoch soll es zwangsversteigert werden. "Der Konkurs hat quasi direkt bei uns zu Hause eingeschlagen", sagt Jennifer Snyder während sie eine Kundin an der Bar bedient. Ihr Mann sei aber Gott sei Dank bei der Sheriff’s Academy aufgenommen worden. "Sonst wäre er jetzt auch arbeitslos wie all die anderen." Die ältere Dame am Tresen nickt verständnisvoll und verstreicht großzügig Butter auf ihrem Pancake.

Das Schicksal hat es noch einmal gut gemeint mit den Snyders. Und darauf setzen sie schließlich alle hier in der Atlantic City: Die Spieler, die den einarmigen Banditen unermüdlich Münzen in den Rachen werfen, wie auch die Politiker und Bewohner, die dem finanziellen Untergang der ohnehin schon schuldengeplagten Stadt entgegenblicken.

Eine desolate Lage

Seit 2006 sind die Umsätze der Casinos, von deren Steuern Atlantic City hochgradig abhängig ist, fast um die Hälfte eingebrochen. In diesem Jahr werden sie nur noch bei rund 2,5 Milliarden Dollar liegen. Schuld ist die rasant wachsende Konkurrenz in den angrenzenden Bundesstaaten. Vier von insgesamt zwölf Casinos haben in diesem Jahr bereits geschlossen. Ein fünftes – das Trump Taj Mahal – steht auf der Kippe. Geschätzt bis zu 10.000 Arbeitsplätze sind bislang verloren gegangen. Und das in einer Stadt, die selbst nur 40.000 Einwohner hat.    

Wie desolat die Lage ist, zeigt das vor der Zwangsversteigerung stehende Revel, das erst 2012 eröffnet hat. Baukosten des 47-stöckigen Ressorts: 2,4 Milliarden Dollar. Das einzige bislang öffentlich gemachte Gebot für die Versteigerung lautet auf 90 Millionen Dollar.

Durch die Fensterfront von Johnny Rockets kann man den berühmten Boardwalk sehen, der erste seiner Art in den USA und Ursprung der US-Fernsehserie Boardwalk Empire. Auf der anderen Seite der Promenade führt ein Holzsteg durch die Dünen hin zum weiten, weißen Sandstrand. Aber trotz des angenehm warmen Spätsommers ist er weitgehend leer. Nur ein Rentnerpaar spaziert die Promenade entlang und ein paar Obdachlose haben sich mit Decken und Schlafsäcken niedergelassen. Ein umgedrehtes weißes Rettungsboot und ein Aussichtsturm der "Atlantic City Beach Patrol" ergeben ein idyllisches Bild. Möwen hieven sich kreischend in die Lüfte.