Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Weg zum EU-Gipfel im März 2014 © Francois Lenoir/Reuters

Euro-Rettungspakete sind nicht populär. In Umfragen wünschen sich mehr als die Hälfte der Deutschen, das Verfassungsgericht hätte den Euro-Rettungsschirm ESM gekippt. Grund für die Ablehnung dürfte nicht zuletzt der Eindruck sein, Deutschland müsse immer wieder für die Fehler der anderen zahlen. Dazu hat auch die Debatte in den Medien beigetragen.

Besonders dramatisch wurden (und werden) die vermeintlichen Lasten Deutschlands vom Münchener Ifo-Institut vorgerechnet. Laut dessen "Haftungspegel", der anzeigt, in welchen Größenordnungen der deutsche Steuerzahler im Extremfall zur Rechenschaft gezogen wird, lagen die Eventualverbindlichkeiten für die Euro-Zone insgesamt zeitweise bei enormem 1.700 Milliarden, für Deutschland alleine bei fast 600 Milliarden Euro.

Solche Summen liegen weit jenseits der Vorstellung der Normalbürger. 600 Milliarden Euro entsprechen dem Wert von rund drei Millionen neuen Reihenhäusern oder dem Gegenwert von 30 Millionen Kleinwagen. Zum Glück haben diese Summen mit der tatsächlichen Belastung der Deutschen wenig zu tun.

Die Hilfspakete sind kein Geschenk

Ein erstes Missverständnis liegt darin, dass die Hilfspakete an die Krisenstaaten oft als Transfers an den Rest der Euro-Zone missverstanden werden. In Wahrheit handelt es sich um Kredite. Kredite, die nicht nur zurückgezahlt werden müssen, sondern auch verzinst werden. Dabei zahlen die Empfängerländer nicht weniger, als Deutschland selber am Kapitalmarkt zahlen muss. Und alles spricht derzeit dafür, dass Irland, Portugal und Spanien ihre Kredite vollständig zurückzahlen. Es sind dadurch keine Belastungen für den deutschen Staatshaushalt entstanden.

Auch in Griechenland hat der deutsche Staat durch die Hilfskredite keine direkten Verluste hinnehmen müssen, weil Hilfskredite von der Umschuldung 2012 ausgenommen waren. Allerdings musste der Fiskus indirekte Verluste akzeptieren: Die vom Bund in der Bankenkrise 2008/9 verstaatliche Hypo Real Estate (HRE) hielt griechische Bonds im Portfolio, die teilweise abgeschrieben werden mussten. Für den Bund entstanden so Kosten von etwa zehn Milliarden Euro. Hinzu kamen kleinere Abschreibungen bei anderen öffentlichen Banken wie der WestLB oder der KfW.

In der öffentlichen Debatte wurde zudem immer wieder von einer weiteren Umschuldung Griechenlands gesprochen. Eine diskutierte Option ist dabei eine Verlängerung der Laufzeit bei niedrigen Zinsen. Käme es dazu, würde dies laut einer Studie von Daniel Benček und Henning Klodt vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) Griechenlands Last um 8 bis 14 Milliarden Euro senken, wobei Deutschland davon etwas weniger als ein Drittel tragen müsste.