EZB-Präsident Mario Draghi © Ralph Orlowski/Reuters

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im Euro-Raum unerwartet auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt. Das beschloss der EZB-Rat nach Angaben der Notenbank. Die Senkung erfolgte überraschend. Seit Juni hatte der Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB mit Geld versorgen, bei 0,15 Prozent gelegen.     

Zudem hat die EZB den Aufkauf von Unternehmenskrediten – sogenannten ABS-Papieren – beschlossen. Mit diesem Instrument will die Notenbank den Markt mit mehr Geld versorgen und die Konjunktur in der Euro-Zone ankurbeln.

Gleichzeitig verschärfte die EZB den im Juni eingeführten Strafzins, den Banken für das Ansammeln von Geldern bei der Zentralbank zahlen müssen: Statt bislang 0,1 müssen sie nun 0,2 Prozent dafür zahlen. Auch das soll das Ausgeben von Krediten für die Institute attraktiver machen als das Parken von Kapital.

Mit der Senkung des Leitzinses reagieren die Währungshüter auf die sehr niedrige Inflation. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und sollen so die Wirtschaft ankurbeln. Das wiederum kann zu einem Preisanstieg führen.

Im August hatten sinkende Energiepreise die Teuerungsrate im Euro-Raum auf 0,3 Prozent gedrückt – den niedrigsten Stand seit Oktober 2009. Der Wert liegt seit Monaten deutlich unterhalb der Zielmarke der EZB von knapp unter zwei Prozent. Zudem stagnierte die Wirtschaftsleistung der Länder in der Euro-Zone im Frühjahr.

Der geringe Preisauftrieb schürt Sorgen vor einer Deflation, also einer Abwärtsspirale der Preise quer durch alle Warengruppen. Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen und Anschaffungen in der Erwartung weiter sinkender Preise hinauszögern. Das würde die fragile Konjunkturerholung in Europa abwürgen.

Seit der Einführung des Leitzinses im Jahr 1999 konnten sich Geschäftsbanken noch nie so günstig Geld von der Zentralbank leihen. Bereits seit Juli 2012 liegt der Leitzins unter einem Prozent. 

Nach der Zinsentscheidung verbilligte sich der Euro an den Finanzmärkten: Am frühen Nachmittag kostete ein Euro nur noch 1,3037 Dollar. Das ist der niedrigste Wert seit Juli 2013.  Am Anleihenmarkt zogen die Renditen an, ebenfalls bergauf ging es am Frankfurter Aktienmarkt für den deutschen Leitindex Dax. 

Am Donnerstag Nachmittag wird die EZB bekanntgeben, ob sie noch weitere Maßnahmen plant. Im Gespräch ist ein bis zu 500 Milliarden Euro schwerer Plan zum Aufkauf von Kreditverbriefungen und Pfandbriefen. Kritiker bezweifeln allerdings die Wirkung einer solchen Aktion und warnen vor großen Risiken.