Mit deutlichen Worten haben Russland und die Ukraine vor den Folgen des Gasstreits gewarnt. Der russische Energieminister drohte europäischen Staaten mit Einschränkungen bei der Gasversorgung, sollten diese importiertes Gas teilweise an die Ukraine weiterleiten. "Die geschlossenen Verträge sehen keinen Re-Export vor", sagte Alexander Nowak dem Handelsblatt. Die russische Regierung hoffe, dass sich die europäischen Partner an die getroffenen Vereinbarungen halten. "Nur das kann die unterbrechungsfreien Lieferungen an europäische Verbraucher garantieren", sagte Nowak.

Die EU bezieht rund ein Drittel ihres Gasbedarfs aus Russland, wovon wiederum etwa die Hälfte durch Pipelines in der Ukraine fließt.

Die ukrainische Seite warf Russland vor, mit der Gesundheit der Menschen zu spielen. "Sie wollen, dass wir frieren", sagte Ministerpräsident Arseni Jazenjuk am Rande der UN-Vollversammlung in New York. Dies sei das Ziel Russlands für den kommenden Winter. Mit den Gaslieferungen habe Moskau einen Trumpf in der Hand.

Oettinger vermittelt bei Gesprächen

In Berlin kommen im Laufe des Tages Vertreter Russlands und der Ukraine zusammen, um an einer Lösung des Gasstreits zu arbeiten. Neben Nowak nehmen auch Gazprom-Chef Alexej Miller und Vertreter der Ukraine teil. Günther Oettinger, derzeit noch EU-Energiekommissar, versucht zu vermitteln. Er forderte eine Übergangslösung. Oettinger sagte, er hoffe auf eine Vereinbarung, mit der die Gasversorgung der Ukraine durch einen einmaligen Sonderkauf von Gas über den Winter bis in den April gesichert sei. Bei einer Eskalation der Ukraine-Krise könne zwar die Gasversorgung aus dem Osten unterbrochen werden, die Gas-Speicher in der EU seien aber zu 90 Prozent gefüllt – und damit so voll wie nie.

Wegen offener Rechnungen und unterschiedlicher Ansichten über den rechtmäßigen Gaspreis hatte Russland der Ukraine im Juni die Lieferungen eingestellt. Die Regierung in Kiew wirft dem Nachbarland vor, überhöhte Preise zu verlangen und seine Gas-Dominanz als politisches Druckmittel zur Unterstützung prorussischer Separatisten zu missbrauchen.