Was viele Analysten und Spekulanten gern verschweigen: Für den großen, langfristigen Wertzuwachs sorgte das Gold in Anlegerdepots bisher nicht. Zwischen 1968 und 2004 legte das Edelmetall zwar nominal von knapp 100 auf 400 Dollar zu. Das glich die Inflation in dieser Zeit gerade so aus. Aber in den 30 Jahren zwischen 1983 und 2005 schaffte das Gold nicht einmal das. Eine Feinunze kostete 1983 im Jahresschnitt 423 Dollar, 2005 waren es 444 Dollar. Die Inflation summierte sich in dieser Zeit hierzulande auf stattliche 38 Prozent. So viel hätte ein Goldbesitzer real verloren, hätte er 1983 ge- und 2005 verkauft. 

Was die Statistiken zudem nicht einbeziehen, sind die Kosten, die jährlich anfallen, wenn sich Anleger Münzen oder Barren ins Depot legen. Sie machten den Goldbesitz zum etwas teureren Vergnügen: Da sind zunächst die Preisaufschläge beim Kauf, die je nach Barren- oder Münzgröße bis zu 100 Prozent vom Goldpreis betragen können. Beim Verkauf fallen nochmals Transaktionskosten an, und der Verkäufer kann wegen der Preisspannen zwischen Käufern und Verkäufern nicht erwarten, dass er eins-zu-eins den aktuellen Goldpreis ausbezahlt bekommt.

Zudem berechnen Banken und Verwahrstellen jährliche Lagerkosten. Wer seine Goldstücke nicht gerade daheim in der Schublade hortet, zahlt aktuell zwischen 0,12 und knappen zwei Prozent an Lager- oder Schließfachgebühren. Das sind in 30 Jahren noch einmal bis zu 600 Euro zusätzlicher Kosten für 1000 Euro Goldbesitz. Das müsste ein Kursanstieg erst einmal ausgleichen.

Krisen lassen den Goldkurs steigen

Nun erlebte der Goldpreis nach den 1970er und speziell in den 1980er Jahren seinen ersten großen Höhenflug – damals befeuert durch Weltpolitikereignisse wie die Ölkrise und das Wettrüsten der Supermächte. Manche sagen, das Gold sei seinem Ruf als Krisenwährung gerecht geworden. Trotzdem ernüchtert der Blick auf die Zahlen: Zwischen 1973 und 2003 stieg der Goldpreis gemittelt übers Jahr nur in 16 Jahren. In 13 Jahren hingegen verlor das Gold an Wert.  

Inzwischen ist auch klar, dass der große Preisanstieg in den 1980er Jahren die erste große Goldblase war. Sie hatte wenig mit einem fundamentalen Wertzuwachs des Edelmetalls zu tun, denn nach kurzem Höhenflug über 600 Dollar sackte der Kurs jäh wieder auf 400 ab. Dort blieb er bis weit nach der Jahrtausendwende. Seitdem bläht sich die zweite Blase auf.

Denn gerade weil das Gold im Menschen Ur-Instinkte anspricht und schon so lange als Flucht- und Krisenwährung gilt, reagiert es mitunter schlagartig, wenn die Finanzmärkte mal aus dem Tritt geraten. Als Fieberkurve der Finanzmärkte bezeichnen viele den Goldpreis deshalb. Besonders die Finanz- und Eurokrise ab 2008 trieb diese Kurve in die Höhe.

Unberechenbare Spekulanten

Dazu kommt: Der Goldmarkt ist ein sehr kleiner Markt, der von nur wenigen Großinvestoren bewegt wird. Und es sind längst nicht mehr die klassischen und berechenbaren Beteiligten, die ihn bisher bestimmten. Michael Lewis, Rohstoffanalyst der Deutschen Bank in London, erklärt: "Ein Drittel der globalen Goldnachfrage kommt aus dem Investmentbereich. In keinem anderen Rohstoffmarkt spielen die Investorenerwartungen so eine große Rolle. Gold sticht heraus als Markt mit besonders starkem Herdenverhalten."

Während um die Jahrtausendwende vor 13 Jahren noch die Schmuckindustrie der größte Käufer war und 80 Prozent der Mengen bewegte, nimmt die heute nur noch 40 Prozent des Weltgoldes ab. Rund die Hälfte der Nachfrage geht dagegen von den Zentralbanken und insbesondere von Spekulanten aus. Letztere bewegen derzeit allein 35 Prozent des Marktes. Genau dieses Verhältnis von Industrienachfrage zu Investmentnachfrage macht den Preis anfällig für Übertreibungen.

Finanzprofessor Baur sagt, es sei das Verhalten der spekulativen Kurzfristhändler, das den Goldkurs so instabil mache. Treibt ein Großinvestor den Preis über eine Schwelle, folgen sofort andere nach. Verkauft umgekehrt einer im großen Stil, so tun es gleich viele weitere.