Arbeitslose Jugendliche in Corby, England © Christopher Furlong/Getty Images

Rund 7,5 Millionen junge Europäer sind aktuell ohne Arbeit oder Ausbildung. Diese alarmierende Zahl rückte jüngst in den Fokus, als das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung seine Studie zur Jugendarbeitslosigkeit in Europa an das Wirtschaftsministerium übergab.

Die Zahlen zeigen einmal mehr, dass Europa, ohne dessen Stabilität und Wohlergehen auch Deutschland keine gedeihliche Zukunft hat, in der schwersten Krise seit der Gründung der EU steckt. Die Bundesrepublik, die zum Symbol für Wohlstand, qualifizierte Jobs, für Qualität in der Industrie und im Handwerk geworden ist, wirkt zwar noch immer als Magnet für junge Menschen aus Südeuropa. Sie kommen ohne Rückflugticket im Gepäck, um hier ihr Glück zu versuchen.

Diese jungen Menschen stammen aus Ländern, in denen die Mehrheit der Arbeitskräfte zwar einen Job hat, aber nur ansatzweise einen Beruf. Manche haben nur die allgemeine Schulbildung, manche haben es bis zur Hochschulreife gebracht – aber einen beruflichen Bildungsweg haben sie nur selten durchlaufen. Dieses Produktivitätsgefälle zwischen Ländern mit starker Berufsbildung und Ländern, in denen diese kulturelle Ressource fehlt, wird übersehen. Dabei ist auch dies ein wichtiger struktureller Grund für die Eurokrise.

Eine Vielzahl von Untersuchungen hat gezeigt, dass einer der wichtigsten Wettbewerbsvorteile deutscher Unternehmen darin besteht, dass die Mehrheit der Beschäftigten beruflich gebildet ist. Das ist dem dualen System in Deutschland zu verdanken, das die betriebliche und schulische Ausbildung verbindet. Dazu kommen die beruflichen Ausbildungsgänge in Vollzeitschulen.

Berufsausbildung in Deutschland erodiert

Doch Politik und Wirtschaft lassen es zu, dass die Berufsausbildung in Deutschland zurzeit erodiert. Während einerseits Hunderttausende in "Warteschleifen" im schulischen Übergangssystem festhängen, schaffen es die Betriebe zugleich nicht, ihre Lehrstellen zu besetzen. Dieser Prozess wird noch verstärkt durch die Reform beruflicher Ausbildungsgänge auf europäischer Ebene. Hier entsteht ein Baukastensystem, in dem Berufe nur noch dem Namen nach vorkommen.

Deutschland sollte sich dieser Entwicklung entgegenstellen. Gemeinsam mit Ländern mit einem ähnlichen Bildungswesen sollte es sich für eine Stärkung der Berufsbildung engagieren. Dabei ließe sich die verwirrende Menge Hunderter staatlich anerkannter Ausbildungsberufe auf eine übersichtlichere Anzahl entwicklungsfähiger Berufsfelder verdichten. Besonders wichtig sind die Bereiche Informationstechnologie, intelligente Energiesysteme und Gesundheit. Berufe in diesen Bereichen werden angesichts der wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Herausforderungen der Zukunft dringend gebraucht.