Die Lage scheint eindeutig: China ist der weltweit größte Klimasünder. Im vergangenen Jahr emittierte das Land 9.9970 Megatonnen des Klimagases Kohlendioxid, fast doppelt so viel wie die USA (5.233 Megatonnen). Das zeigen Zahlen des Global Carbon Projects, die das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE aufbereitet hat.

Aber ganz so einfach ist es nicht. Denn China fliegt von Platz 1, wenn man sich die Emissionen je Kopf anschaut – eine Argumentation, die auch chinesische Spitzenpolitiker gern vertreten, wenn es um ihre Verantwortung für den Klimawandel geht. Schaut man sich an, in welchem Land beziehungsweise welcher Region die Menschen pro Kopf die höchsten CO2-Emissionen aufweisen, so landen die USA auf Platz 1 (16 Tonnen/Kopf). Gerade die USA setzen weiterhin stark auf fossile Energien, das Land der motorisierten Mobilität setzt kaum auf Energieeffizienz und nur regional auf Erneuerbare Energien.

Schon auf Platz 2 landet Russland, das vor allem mit einer extrem ineffizienten Industrie zu kämpfen hat. Erst dann folgt China. Es ist genau dieses Blame-Game, also das gegenseitige Schuld zuschieben, was ein Voranschreiten des internationalen Klimaschutzes so zäh macht. Auch daher versucht UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf dem Klima-Sondergipfel am Dienstag in New York für ehrgeizige Klimaschutzzusagen zu werben. 

Der Vollständigkeit halber muss auch gesagt werden: Zwar sind die USA und China die größten Klimasünder der Welt. Aber zugleich gehören sie auch zu den größten Investoren in Erneuerbare Energien. Nur dass dieser Sektor, schaut man sich das Investitionsvolumen an, noch immer im Vergleich zu den fossilen Energien klein ist.