Die USA bauen ihre heimische Öl-und Gasförderung aus, wie hier in Kalifornien. © Lucy Nicholson/Reuters

Wieder wagt er den großen Aufschlag. Nicolas Stern, britischer Ökonomen und ein wandelnder "Klimaschutz-Rechner", hat der Welt bereits vor acht Jahren erklärt, wie viel es kosten würde, wenn nicht rasch in den Klimaschutz investiert werde. Die weltweite Wirtschaftsleistung könnte um bis zu 20 Prozent sinken, lautete seine Prognose damals. Es war ein alarmierender Weckruf, kurz vor dem Klimagipfel in Kopenhagen. Getan hat sich seitdem aber nur wenig.   

Jetzt legt Stern nach. Er ist Co-Chef der sogenannten Calderon-Kommission, (benannt nach dem Vorsitzenden, dem ehemaligen mexikanischen Ministerpräsidenten Felipe Calderón), die am Dienstag in New York ihren Bericht zur neuen Klimaökonomie vorstellt, der ZEIT ONLINE vorliegt. Die Kommission ist ein Who's who von Ökonomen, (Ex-)Politikern und Unternehmern, die analysieren, inwiefern Wirtschaftswachstum und Klimaschutz vereinbar sind.

 Das Votum der Kommission ist eindeutig: "Mit klimaverträglichen Investitionen können wir starkes und qualitativ hochwertiges Wachstum erzeugen", sagt Stern. "Nicht erst in Zukunft, sondern jetzt." Sein deutscher Kollege Caio Koch-Weser, deutsches Mitglied der Kommission und ehemaliger Staatssekretär im Finanzministerium, ergänzt: "Der angebliche Zielkonflikt zwischen Wirtschaftswachstum, Versorgungssicherheit und Klimaschutz entpuppt sich als Mythos." Entscheidend seien verlässliche politische Rahmenbedingungen und die richtigen Anreize für Investitionen.

Der Finanzbedarf ist riesig: Allein in den kommenden 15 Jahren würden weltweit Investitionen von rund 90 Billionen Dollar getätigt. Milliarden fließen in neue Straßen, Kraftwerke und Stromnetze. Dieses Geld müsse so eingesetzt werden, dass es klimafreundliches Wachstum erzeuge, fordern die Autoren.

Gegen ausufernde Mega-Cities

Das klimaschädliche Wirtschaftsmodell der Vergangenheit dürfe nicht wiederholt werden. Beispiel Städteplanung: Das unstrukturierte Wachsen von Megacitys mit wild ausufernden Vorstädten müsse ein Ende haben, sind sich die Berater einig. Klein, kompakt und besser vernetzt sei effizienter und klimafreundlicher. Oder die Landwirtschaft: Wer zwölf Prozent der brach liegenden Flächen reaktiviere und nachhaltige Landwirtschaft betreibe, könne bis zum Jahr 2030 nicht nur 200 Millionen Menschen zusätzlich ernähren, sondern auch die CO2-Emissionen reduzieren. 

Es geht aber nicht nur ums Geld, stabile Rahmenbedingungen sind nach Auffassung der Kommission ebenso wichtig: Kaum ein anderer Wirtschaftszweig hat derart lange Abschreibungszyklen wie beispielsweise der Energiesektor (Gaskraftwerke rund 20 Jahre). Wer heute investieren soll, der braucht einen stabilen Geschäftsausblick. Monatelanges Gezänke über den gesetzlichen Rahmen – bestes Beispiel ist etwa die Novelle des deutschen Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) – sei Gift für Investitionen.  

Auch den privaten und staatlichen Finanzsektor haben die Klimaökonomen im Blick: Koch-Weser, zugleich Vize President der Deutschen Bank, plädiert dafür, Finanzminister und Banken-Chefs stärker in die Klimaverhandlungen einzubinden. Ausdrücklich könnten sich außerdem Förderbanken wie die KfW oder andere Institute dazu verpflichten, keine klimaschädlichen Investments mehr zu finanzieren.