Bislang erhalten Schottlands Landwirte aus Brüssel viel weniger Subventionen als ihre Konkurrenten aus anderen EU-Ländern. Je Hektar erhalten sie jährlich im Schnitt 128 Euro aus dem EU-Agrarhaushalt. Das zeigen Zahlen der Regierung in Edinburgh aus einem mehr als 600 Seiten starkem Report, in dem die Nationalisten für die Unabhängigkeit von Großbritannien werben. Die Daten hat das Statistikportal Statista für ZEIT ONLINE aufbereitet. Schottlands Agrarsektor, der vor allem auf Viehwirtschaft setzt, ist extrem kleinteilig und auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Laut Regierungsangaben macht der Großteil der schottischen Landwirte Verluste, rechnet man staatliche Zuschüsse heraus.

Nach Ansicht der schottischen Landesregierung entgehen den Landwirten derzeit Millionen. In der aktuellen Finanzperiode 2014 bis 2020 hatten sich die EU-Agrarminister darauf geeinigt, dass bis zum Jahr 2019 jeder Landwirt in der EU mit mindestens 196 Euro Zuschuss je Hektar rechnen kann. Würde Schottland als unabhängiger Staat der EU beitreten, könnten die schottischen Bauern mit insgesamt fast einer Milliarde Euro zusätzlichen Agrarhilfen rechnen. Zwar seien die EU-Finanzmittel bis zum Jahr 2020 bereits verteilt, gibt die Landesregierung unumwunden zu. Aber als unabhängiger Staat könnte Schottland selbstbewusst auftreten in der nächsten Verhandlungsrunde über den Agrarhaushalt.

Schottische Nationalisten werben nicht nur unter den Bauern mit dem Zugang zum größten Subventionstopf der EU. Auch die Regionalförderung stünde den Schotten im Fall eines EU-Beitritts offen. Schon jetzt erhält Schottland hier Hilfen in dreistelliger Millionenhöhe aus Brüssel. Allerdings kritisieren die Nationalisten rund um den schottischen Ministerpräsidenten Alex Salmond, dass die Regierung in London Schottland bei der Vergabe dieser Gelder nicht ausreichend beachte.