Eine Dudelsack-Band in Schottland © Jeremy Sutton-Hibbert/Getty Images

Wenn es um Schottlands Unabhängigkeit geht, bleibt Jeffrey D. Sachs ganz entspannt. Die halbe Welt warnt vor einer Abspaltung vom Vereinten Königreich – nur der Ökonom aus den USA hält alles für halb so schlimm. "Die Kosten der Unabhängigkeit hängen von Wahlentscheidungen ab. Sie sind nicht unausweichlich", schreibt er in seiner Kolumne auf dem Meinungsportal Project Syndicate.

Wenn Schottland Mitglied der EU und Nato bliebe, so Sachs, und sich der Rest Großbritanniens mit Schottland gütlich über die Details der Abspaltung einige, dann lasse sich das alles problemlos organisieren. Selbst die Einführung einer neuen Währung sei ohne größere wirtschaftliche und finanzielle Verwerfungen möglich.

Alles bloß Verhandlungssache? Womöglich klingt es bei Sachs einfacher, als es in der politischen Praxis tatsächlich ist. Was passiert, wenn die Befürworter der schottischen Unabhängigkeit das Referendum gewinnen? "Es ist schwer, da eine solide Aussage zu treffen", sagt Sabine Riedel, Politikwissenschaftlerin und Schottland-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Zu groß seien die Unwägbarkeiten, zu viele Details müssten geklärt werden. Im Gegensatz zu Sachs erwartet Riedel aber beträchtliche Turbulenzen.

Keine Frage: Die Unabhängigkeit wäre ein großes Abenteuer. Nach Ansicht der Unabhängigkeitsbefürworter könnte es 18 Monate dauern, bis sie sich mit dem Rest der Welt über konkrete Bedingungen der Abspaltung geeinigt haben. Erst im März 2016 wären sie souverän – und bis dahin bliebe vieles ungeklärt. Die größten Risiken sind diese:

1. Die Unsicherheit nach der Wahl

Anleger und Unternehmer fürchten nichts mehr als Ungewissheit. In der vergangenen Woche wurde klar, dass das auch für Schottlands Separatisten ein Problem sein könnte. Erstmals sprach sich eine Mehrheit der Schotten in Umfragen für die Unabhängigkeit aus. Die Börse reagierte entsetzt: Das Pfund fiel gegenüber dem Dollar um mehr als sieben Prozent auf einen neuen Tiefststand. Die Panik ist zwar noch nicht an den Börsen angekommen. Aber aus anderen Vermögensklassen sollen Investoren Medienberichten zufolge bereits zig Milliarden Dollar abgezogen haben.

Großbritannien - Die politischen Folgen einer schottischen Unabhängigkeit

Optimisten könnten darauf verweisen, dass die Märkte den Sieg der Abtrünnigen womöglich schon eingepreist haben. Dann wäre der Sturm schon vorbei und am Freitag, wenn das Ergebnis des Referendums bekannt ist, bliebe alles ruhig.

Doch die meisten Banker glauben das nicht. Falls die Befürworter der Unabhängigkeit tatsächlich das Referendum gewinnen, könnten Anleger in Panik geraten, warnt die Investmentbank Goldman Sachs. Grund sei die Unsicherheit, mit welcher Währung die Schotten zukünftig zahlen – der kritischste Punkt der Sezessionspläne.