Noch wehen britische und schottische Fahnen gemeinsam auf dem Hauptgebäude der Lloyds Bank in Edinburgh. © Reuters/Suzanne Plunkett

Sogar die Queen macht sich inzwischen Sorgen. Die Monarchin sei "zutiefst beunruhigt", dass Schottland sich vom Vereinigten Königreich abspalten könne, heißt es am britischen Königshof. Dazu hat sie allen Grund. Das Szenario eines unabhängigen Schottland, bis vor Kurzem noch ein ferner Traum schottischer Nationalisten, ist plötzlich eine realistische Option, wie eine Umfrage am Wochenende zeigte.

Nicht nur der Queen gefällt das nicht. Auch schottische Unternehmen sind alarmiert. Mehrere Banken und Versicherer haben bereits angekündigt, ihren Hauptsitz nach England zu verlagern, sollte Schottland tatsächlich eigenständig werden. Andere Firmen haben keine Wahl. "Wir können Schottland nicht verlassen", sagte der Chef des Whiskey-Herstellers Diageo, Ivan Menezes, in einem Interview mit dem Wall Street Journal. Eine Abspaltung Schottlands habe fatale Folgen. 

Angst macht den Unternehmen vor allem eine Frage: Welche Währung soll in einem unabhängigen Schottland eigentlich gelten?

Abstimmung - Unabhängigkeit spaltet Schottlands Fischer

Zurzeit bezahlen die Schotten mit britischem Pfund, der Währung des Vereinigten Königreichs, dessen Teil sie noch sind. Damit könnte es aber bald vorbei sein. Großbritanniens Finanzminister Georg Osborne drohte bereits Anfang des Jahres, die Schotten aus dem Pfund zu schmeißen, sollten sie sich wirklich für die Unabhängigkeit entscheiden.

Wie ernst es Osborne damit meint, ist schwer abzusehen. Seine Drohung dürfte auch Teil der britischen Strategie sein, vor der Abstimmung die Kosten einer Abspaltung möglichst hoch erscheinen zu lassen. Gut möglich, dass die Briten am Ende einen Rückzieher machen und das eigenständige Schottland das Pfund behalten lassen. Schließlich würde man den kleinen Nachbarn so weiterhin eng an sich binden und etwas unter Kontrolle halten.

Doch ein solcher Verbleib im Pfund würde einem unabhängigen Schottland viele Probleme machen. Die Schotten würden schließlich in einer Währung handeln, auf die sie keinen Einfluss mehr hätten. Sie hätten weder bei der britischen Notenbank Bank of England etwas zu sagen, noch könnten sie durch ihre Stimme bei britischen Parlamentswahlen entscheiden, wofür Steuern ausgeben werden und ob etwa die Staatsverschuldung erhöht wird. Eine solche Abhängigkeit kann den schottischen Separatisten eigentlich nicht gefallen.

Alternativen dazu gibt es zwei: eine eigene Währung oder der Beitritt zum Euro. Die erste, ein schottisches Pfund, wäre ein währungspolitisches Experiment. Zwar zeigt das Beispiel Kanada, dass ein Land, dass wirtschaftlich von einem großen Nachbar abhängig ist, mit eigener Währung grundsätzlich funktionieren kann. Doch die Einführung einer neuen Währung ist kompliziert und für Unternehmen teuer.

Ein schottisches Pfund wäre sehr instabil

Zudem könnte eine schottische Währung sehr instabil sein. "Wenn Schottland eine eigene Währung einführt, würde sie wahrscheinlich an das britische Pfund gekoppelt werden", sagt Friedrich Heinemann, Ökonom und Experte für Öffentliche Finanzwirtschaft und Europa beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Eine solche Anbindung werde häufig dann zum Problem, wenn die eigene Währung unter Abwertungsdruck gerät. Um das festgelegte Tauschverhältnis sicherzustellen, müsste die schottische Notenbank schottische Pfund am Markt aufkaufen. "Ob sie dafür genügend Devisenreserven besitzt, ist unklar und zumindest fraglich", sagt ZEW-Forscher Heinemann.

Bleibt also der Beitritt zum Euro. Rein formal würde Schottland die Kriterien für einen Euro-Beitritt vermutlich erfüllen. Wie hoch Inflation und Schuldenquote genau sein werden, wird man zwar erst sehen, wenn separate schottische Statistiken vorliegen. Zudem ist noch unklar, welchen Anteil der Staatsschulden des Vereinigten Königreichs Schottland übernehmen müsste. Doch wenn die Unabhängigkeit nicht gleich eine Wirtschaftskrise auslöst, wäre Schottland reif für den Euro.