Die deutschen Arbeitnehmer haben im Vergleich zu anderen Ländern in der Euro-Zone im vergangenen Jahr die meisten Überstunden geleistet. Wie der ungarische EU-Sozialkommissar László Andor der Zeitung Die Welt sagte, ist in keinem anderen Euro-Land der Unterschied zwischen vertraglich vereinbarter und tatsächlich geleisteter Wochenarbeitszeit so groß wie in Deutschland.

Einer EU-Studie zufolge arbeitete jeder Arbeitnehmer pro Woche 2,7 Stunden zusätzlich. Die vereinbarte Wochenarbeitszeit habe bei 37,7 Stunden gelegen, gearbeitet hätten die Beschäftigten aber 40,4 Stunden. Holger Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln sagte der Zeitung, viele Überstunden seien Zeichen für die anziehende Konjunktur gewesen. Aufgrund des relativ hohen Kündigungsschutzes würden Arbeitgeber auf Überstunden zurückgreifen statt zusätzliche Arbeitskräfte einzustellen.

Am längsten arbeiteten die Rumänen (41,2 Stunden), gefolgt von den Luxemburgern (41,0 Stunden) und den Briten (40,8 Stunden). In diesen Ländern liegt allerdings auch die tariflich vereinbarte durchschnittliche Wochenarbeitszeit über der in Deutschland.

Werden die Anzahl der Urlaubs- und Feiertage hinzugezogen, kommen die deutschen Arbeitnehmer auf eine der geringsten tariflichen Arbeitszeiten. Nur in Frankreich und Dänemark haben sich die Arbeitnehmer zu weniger Stunden im Jahr verpflichtet.

Vergangene Woche hatte das Institut für Arbeit und Berufsforschung gemeldet, dass die Beschäftigten in Deutschland weniger als die Hälfte ihrer Überstunden bezahlt bekämen. Im zweiten Quartal seien im Durchschnitt pro Arbeitnehmer 5,0 bezahlte und 6,9 unbezahlte Überstunden geleistet worden.