Der weltgrößte Onlinehändler Amazonsteckt wegen hoher Investitionen tief in den roten Zahlen fest. Im vergangenen Quartal machte der Konzern einen Verlust von 437 Millionen Dollar (345 Millionen Euro). Ein Jahr zuvor war es nur ein Minus von 41 Millionen Dollar. 

Der Verlust im dritten Quartal fiel deutlich höher aus als am Markt erwartet. Dazu bei trug auch eine Abschreibung von 170 Millionen Dollar auf das erst im Sommer herausgekommene erste Amazon-Handy Fire Phone. Das groß angekündigte Smartphone wurde bisher nicht zum Verkaufsschlager und bekam auch schlechte Kritiken in der Fachpresse. Amazon senkte schon wenige Wochen nach Markteinführung den Preis.

Für das laufende Vierteljahr mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft konnte Amazon überhaupt keine klare Prognose geben. Die Vorhersage beim operativen Ergebnis liegt zwischen einem Minus von 570 Millionen Dollar und einem Gewinn von 430 Millionen Dollar. Die Investoren reagierten entsetzt. Die Amazon-Aktie brach im nachbörslichen Handel mehr als zehn Prozent ein. 

Anleger verlieren die Geduld

Firmenchef Jeff Bezos verfolgt eine aggressive Investitionsstrategie, um die Marktposition von Amazon zu verteidigen und auszubauen. Das kurbelt den Umsatz an. Von Juli bis September stiegen die Erlöse im Jahresvergleich um ein Fünftel auf 20,6 Milliarden Dollar.

Amazon brachte zuletzt neben dem Fire Phone auch die TV-Box Fire TV in Deutschland auf den Markt und erneuerte die Produktfamilien seiner Tablet-Computer sowie E-Book-Lesegeräte. Im Geschäft mit Cloud-Diensten wird der Wettbewerb mit Rivalen wie Google und Microsoft schärfer. Im vergangenen Quartal kaufte Amazon zudem für knapp eine Milliarde Dollar die Video-Website Twitch, auf der Gamer Live-Mitschnitte vom Spielverlauf veröffentlichen können.

Die Kosten dafür belasten die Erträge, Verluste oder nur geringe Gewinne sind die Anleger daher gewöhnt. In den vergangenen Jahren belohnte die Börse die Investitionsbereitschaft mit kräftigen Kurssteigerungen. Doch inzwischen scheinen die Anleger die Geduld verloren zu haben.

Finanzchef Tom Szkutak kündigte in der Telefonkonferenz nach Vorstellung der Zahlen an, dass Amazon grundsätzlich an den hohen Investitionen festhalten werde. Der Konzern wisse aber, dass er mit Vorsicht überlegen müsse, in welche Geschäfte man das Geld stecke.