Drohnen unbekannter Herkunft haben im Oktober sieben französische Atomkraftwerke überflogen. Der französische Stromkonzern und Akw-Betreiber EDF gab bekannt, deswegen Anzeige erstattet zu haben. Er teilte mit, dass die Überflüge "ohne Folgen für die Sicherheit oder den Betrieb der Anlagen" geblieben seien. Die Drohnen wurden vom Wachpersonal der Atomkraftwerke gesichtet, meist in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden. Angaben darüber, wer die Drohnen gesteuert haben könnte, wurden nicht gemacht.

Die erste Drohne war am 5. Oktober über dem Atomkraftwerk Creys-Malville gesichtet worden, wie die Pariser Tageszeitung Le Parisien berichtete. Am 19. Oktober sei eine Drohne über mehreren Standorten gesehen worden, die Hunderte Kilometer voneinander entfernt liegen. Ein Nuklear-Experte sagte der Zeitung, es habe sich bei den gesichteten Flugobjekten nicht nur um einen Drohnentyp gehandelt. Einige seien kleiner als ein Meter und hätten daher auch nur einen kleinen Aktionsradius. "Andere, und das sei das Besorgniserregende, seien bis zu zwei Meter groß gewesen. Das heißt hinreichend groß, um explosive Last zu tragen", sagte der Fachmann.    

Es gebe Abwehreinrichtungen speziell gegen Drohnen, sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve dem Radiosender France Info,nachdem der Vorfall bekannt geworden war. Auf nähere Details der Drohnenabwehr ging der Minister nicht ein.

In Frankreich ist es verboten, Atomkraftwerke in einem Umkreis von fünf Kilometern und einer Höhe unter 1.000 Metern zu überfliegen. Für die Überwachung dieses Luftraums ist die französische Luftwaffe zuständig, wie es in einer Vereinbarung mit EDF geregelt ist.     

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigte sich "sehr besorgt" über die verdächtigen Überflüge. Die Flüge über die weit auseinanderliegenden Standorten zeugten "von einer groß angelegten Operation". Auch das Kommissariat für Atomenergie in Saclay nahe Paris sei überflogen worden.

Greenpeace gab an, nicht hinter den Drohnenflügen zu stecken. Im Mai 2012 hatte die Umweltschutzorganisation mit einer Drohne gefilmt, wie ein deutscher Greenpeace-Aktivist mit einem motorisierten Gleitschirm das Atomkraftwerk Bugey im Osten Frankreichs überfliegt und auf dem Gelände landet. Mit der spektakulären Aktion wollte Greenpeace auf Sicherheitsmängel bei französischen Atomkraftwerken aufmerksam machen.

Frankreich bezieht rund drei Viertel seines Stroms aus Atomkraft, der Anteil soll bis 2025 auf 50 Prozent gesenkt werden. EDF ist der Betreiber aller 19 französischen Atomkraftwerke mit ihren zusammen 58 Reaktoren.