Die Europäische Kommission hat den Bau des umstrittenen britischen Atomkraftwerks Hinkley Point C gebilligt. Nach "wesentlichen" Veränderungen verstoße das Projekt nicht gegen die Regeln für staatliche Beihilfen, teilte die Kommission mit. Umweltgruppen, die Grünen, aber auch mehrere EU-Mitgliedstaaten hatten das Projekt für den Bau eines neuen Atomkraftwerks stark kritisiert. Der Bau des Atomkraftwerks wäre der erste AKW-Neubau in Europa drei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima.

Hinkley Point C ist mit zwei Druckwasserreaktoren das erste Atomkraftwerk seit fast zwei Jahrzehnten, das in Großbritannien gebaut wird. Es entsteht im Südwesten Englands am Standort zweier bestehender Blöcke. Gebaut wird die Anlage von dem französischen Energieriesen EDF mit der Unterstützung von chinesischen Partnern. Das AKW soll ab 2023 ans Netz gehen und dann etwa 60 Jahre Energie liefern. Laut Kommission belaufen sich die Baukosten auf 31 Milliarden Euro. 

Die britische Regierung garantierte den Franzosen für 35 Jahre einen Abnahmepreis von umgerechnet 112 Euro je Megawattstunde Atomstrom. Das ist fast das Doppelte des aktuellen Marktpreises und eine doppelt so hohe Förderung für Atomstrom im Vergleich zur Windenergie. Die Grünen im deutschen Bundestag bezeichneten diese Entscheidung der EU-Kommission als "Kniefall" vor der Atomlobby. Die Grünen-Abgeordnete Sylvia Kotting-Uhl sagte: "Die Kommission vollzieht eine gefährliche Rolle rückwärts – gegen ein atomfreies und sicheres Europa." Sie forderte die Bundesregierung dazu auf, eine Nichtigkeitsklage vor dem Europäischen Gerichtshof einzureichen.

Im Dezember 2013 hatte die EU-Kommission die Subventionen der britischen Regierung für das Projekt noch infrage gestellt. Dabei ging es insbesondere um den damals durch London garantierten Stromabnahmepreis für die Betreiber für die ersten 35 Jahre. Großbritannien sei es nun gelungen, "die anfänglichen Zweifel der Kommission auszuräumen", hieß es in Brüssel.

Im Verlauf der eingehenden Untersuchung der Subventionen sagte das Vereinigte Königreich zu, die Bedingungen der Projektfinanzierung erheblich zu ändern. Übermäßige Wettbewerbsverzerrungen im Binnenmarkt würden vermieden. Dadurch verringere sich zudem auch der finanzielle Beitrag der britischen Bürger zu diesem Projekt, der im Vorfeld ebenfalls bemängelt worden war. Die Entscheidung, Kernenergie zu fördern, sei eine nationale und liege daher bei der britischen Regierung, hieß es in einem Schreiben der EU-Kommission.