Großbritanniens Premier David Cameron hat angekündigt, eine Nachforderung von EU-Gebühren in Höhe von 2,1 Milliarden Euro nicht überweisen zu wollen. "Ich werde diese Rechnung nicht bezahlen", sagte er laut Financial Times. "Wir werden nicht plötzlich unser Scheckbuch herausholen und einen Scheck über zwei Milliarden Euro schreiben. Das wird nicht passieren". Zu der geforderten Summe sagte er: "Das ist keine bloße Zahl, das ist eine tödliche Waffe."

Die Nachforderung sei höher als der Gesamtbeitrag mancher Staaten zum EU-Budget, entrüstete sich Cameron. "Es ist vollkommen inakzeptabel, dass eine Rechnung über eine so große Summe erstellt wird – mit so wenig Zeit sei zu bezahlen." In einer Pressekonferenz nannte er die EU-Kommission mehrfach nur "diese Organisation". Der Brite zeigte seinen Ärger auch in der Runde der Staats- und Regierungschefs, wodurch er den Tagesablauf deutlich verzögerte.

Der Grund der Verstimmung Camerons: Die EU-Kommission hat kalkuliert, wieviel Geld die Mitgliedstaaten für das laufende Jahr nachzahlen müssen. Demnach soll Großbritannien 2,1 Milliarden Euro überweisen, sagte ein Sprecher der EU-Kommission. 

Auch andere Länder sind betroffen, aber nicht in diesem Ausmaß. Die Niederlande etwa sollen Regierungschef Mark Rutte zufolge mehr als 600 Millionen Euro nachzahlen. Deutschland hingegen soll den vorläufigen Berechnungen zufolge 779 Millionen Euro zurückerhalten, das mit Haushaltsproblemen kämpfende Frankreich sogar etwa eine Milliarde Euro.

"Wie ein durstiger Vampir"

Auf der britischen Insel löste die Nachricht für Aufregung aus. "Das ist einfach empörend", sagte der Chef der EU-feindlichen United Kingdom Independent Party (Ukip), Nigel Farage. Cameron habe versprochen, die Zahlungen an die EU zu verringern – doch nun steige der Betrag. "Die EU ist wie ein durstiger Vampir, der sich vom Blut der britischen Steuerzahler ernährt."

Formal ist die Nachforderung kein ungewöhnlicher Vorgang. Jeder EU-Staat gibt eine Prognose ab, wie sich die Wirtschaft im kommenden Jahr entwickeln wird. Anhand dieser Vorhersage berechnet die EU die Beiträge, die ein jeder Staat an die EU überweisen muss.

Wenn sich im Herbst des Jahres dann herausstellt, dass sich die Wirtschaft anders entwickelt hat als prognostiziert, dann korrigiert die EU-Kommission ihre Forderungen. "Im Fall von Großbritannien und den Niederlanden ist das Bruttoinlandsprodukt 2014 wesentlich höher gewesen, als sie selbst Anfang des Jahres gedacht haben, also wird ihr Beitrag erhöht", sagte ein Sprecher von EU-Haushaltskommissar Jacek Dominik.