Bau einer Solaranlage für das Wüstenstromprojekt Desertec in Marokko © Rafael Marchante/Reuters

Die vor fünf Jahren mit großen Ambitionen gestartete internationale Wüstenstrominitiative Desertec Industrial Initiative (DII) steht laut der Süddeutschen Zeitung vor dem Aus. Der Zusammenschluss von 35 internationalen Konzernen kann sich nach Angaben aus Gesellschafterkreisen nicht auf eine Fortführung in bisheriger Form einigen, schreibt die Zeitung. Ende des Jahres laufen die Verträge mit den Gesellschaftern aus. Das Überleben sichern könnte nur eine rasche verbindliche Zusage für einen neuen Etat von rund zwei Millionen Euro. Doch die sei nicht in Sicht.

Bei einem Treffen in Rom am kommenden Montag am Rande der Jahreskonferenz von Desertec wollen die Gesellschafter, zu denen RWE, MunichRe, ABB oder die Deutsche Bank gehören, dem Bericht zufolge über die Zukunft der Initiative beraten. "Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagte ein Sprecher der Zeitung. Sie werde am Montag von den Gesellschaftern getroffen.

Desertec gilt als eines der ehrgeizigsten Projekte im Bereich der Erneuerbaren Energien. Bis 2050 sollte es den Bau Hunderter Kraftwerke für Sonnen- und Windkraft in Nordafrika und dem Nahen Osten ermöglichen. Diese sollten den Strombedarf der Region zu großen Teilen decken können und dazu noch rund 15 Prozent des europäischen Verbrauchs. Das geschätzte Investitionsvolumen über die Jahrzehnte liegt bei 400 Milliarden Euro.

Kritiker halten den Export des Sonnenstroms bis nach Deutschland aber für zu teuer und deshalb nicht für realisierbar. Außerdem müssten die afrikanischen Länder ihren eigenen wachsenden Energiebedarf stillen und hätten voraussichtlich keine Überschüsse zu verkaufen. Mehrere deutsche Firmen, darunter Siemens, Bosch und E.on, hatten sich schon aus dem Projekt zurückgezogen.