Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL stößt bei der Konkurrenzorganisation EVG auf Kritik. Der Ausstand diene nicht dazu, Tarifforderungen zu untermauern, sagte EVG-Vize Klaus-Dieter Hommel im WDR. Vielmehr handele es sich um "eine Mitgliederwerbeaktion". Ein Ende des Konfliktes ist nach seinen Worten nicht in Sicht. "Ich gehe davon aus, dass die Situation leider noch weiter eskalieren wird in den nächsten Tagen."

Der Streik wirkt sich nach Hommels Ansicht auch negativ auf das Verhältnis zwischen den beiden Gewerkschaften aus. Die Stimmung zwischen den unterschiedlichen Mitgliedern werde immer schlechter. Unter anderem würden die am Wochenende arbeitenden Kollegen als Streikbrecher diffamiert, obwohl diese arbeiten müssten, weil sie selbst nicht im Arbeitskampf seien, beklagte Hommel. Er habe Drohnachrichten bekommen.

In der GDL sind nach Gewerkschaftsangaben etwa 80 Prozent der Lokführer bei der Deutschen Bahn und zahlreiche Zugbegleiter organisiert. Die GDL gehört zum Deutschen Beamtenbund und hat etwa 34.000 Mitglieder. Die EVG entstand 2010 aus der Fusion von Transnet und GDBA und hat etwa 210.000 Mitglieder.  

Weselsky spricht von "Scheinangebot"

Die GDL bestreikt den Fern-, Regional- und Güterverkehr der Deutschen Bahn noch bis zum Montagmorgen. Ein Großteil der Zugverbindungen entfällt deswegen. Derzeit stehen zwei Drittel des Fern- und Regionalverkehrs. Besonders betroffen sind laut Bahn die Regionen Halle/Leipzig, Hamburg/Hannover sowie Mannheim. Im Norden sollen gar 80 Prozent des Bahnverbindungen ausfallen.

Kurz vor Beginn des Ausstandes im Personenverkehr hatte die GDL ein neues Verhandlungsangebot der Bahn als unzureichend abgelehnt. Gewerkschaftschef Claus Weselsky sprach von einem "Scheinangebot", mit dem die Solidarität unter den GDL-Mitgliedern ausgehebelt werden solle. Die Bahn bezeichnete den Streik als verantwortungslos. In mehreren Bundesländern beginnen oder enden die Herbstferien. Auch viele S-Bahnen fallen aus, etwa in Berlin, München oder Frankfurt. Entsprechend stark ausgelastet sind die übrigen Nahverkehrswege. Von dem Streik profitieren im Fernverkehr vor allem die Fernbusse.

Die Lokführer verlangen aufs Jahr gerechnet fünf Prozent mehr Lohn bei kürzeren Arbeitszeiten. Kern des Konflikts ist aber, dass die GDL dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Die Vertretung dieser Gruppe beansprucht die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft für sich. Die Bahn lehnt konkurrierende Abschlüsse für dieselbe Berufsgruppe ab.