Testosterongeladene Coder-Treffen, sexistische App-Ideen, herablassende Äußerungen von Tech-Größen wie dem Snapchat-Gründer Evan Spiegel: Dass das Silicon Valley für Frauen hart ist, zeigt sich immer wieder. So erst in der vergangenen Woche. Ausgerechnet beim Grace Hopper Celebration of Women in Computing, dem wichtigsten Branchentreffen für Frauen in der Tech-Branche, sprach Microsoft-Chef Satya Nadella Folgendes: Weibliche Mitarbeiter, so Nadella, sollten nicht um eine Gehaltserhöhung bitten, sondern lieber darauf vertrauen, dass "das System" ihnen im richtigen Moment den verdienten Gehaltsscheck ausstelle. Mittelfristig würde sie das Karma belohnen. Nachdem ihm seine Worte um die Ohren geflogen waren, bereute Nadella. Die Branche, schrieb er kleinlaut, müsse die Lücke zwischen Männern und Frauen schließen, damit Gehaltserhöhungen für eine bestimmte Gruppe von vornherein überflüssig würden.

Vor diesem Hintergrund wirkt der Vorstoß von Apple und Facebook auf den ersten Blick geradezu revolutionär. Die Unternehmen wollen ihre Mitarbeiterinnen finanziell unterstützen, wenn sie ihre Eizellen einfrieren und somit den Kinderwunsch vertagen. Bis zu 20.000 Dollar der kostspieligen Prozedur wollen die Firmen übernehmen. "Das Wohl unserer Mitarbeiter und ihrer Familien liegt uns sehr am Herzen", heißt es von Apple. Man suche deshalb ständig nach neuen Wegen, das Gesundheitsangebot des Unternehmens besser auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter zuzuschneiden. Viele lobten den Konzern für die Idee.

Doch das Angebot ist mehr als Altruismus. Der Kampf um Talente und Ideen treibt die Firmen im Silicon Valley dazu, den Mitarbeitern immer neue Bonuspakete und Sonderkonditionen anzubieten, um sie an sich zu binden. Auf dem Google-Campus in Mountain View stehen den Angestellten deshalb Basketballplätze, Ruhezonen und kostenlose Restaurants zur Verfügung. Bei Facebook können Mitarbeiter kostenlos übernachten und die Wäsche waschen lassen. Doch das reicht oft nicht mehr.

Denn im Wettbewerb mit jungen Start-ups, die ihren Programmierern versprechen, Teil der nächsten Billionen-Dollar-Idee zu sein und nicht bloß ein Rad im Getriebe eines längst etablierten Milliardenkonzerns, verlieren Facebook und Co. an Attraktivität. "Es ist schlicht nicht mehr cool, bei Google zu arbeiten", sagt etwa Greg Sterling, Strategiechef der Handelsorganisation Local Search Association in Kalifornien und langjähriger Kenner der Tech-Branche. Zudem konkurrieren die Firmen nicht mehr nur mit den Wettbewerbern um die Ecke, sondern auch mit den großen Wall-Street-Banken im fernen New York, für die Algorithmen im Tagesgeschäft ebenso wichtig sind – und die deshalb händeringend talentierte Entwickler und Programmierer suchen.

Ein guter Ingenieur, schrieb auch Weeby-Gründer Michael Carter in einem Blogeintrag, könne bei Facebook oder Google nichts mehr verändern. Das Start-up mit 22 Mitarbeitern, das an einer Plattform für Social Gaming arbeitet, machte im Silicon Valley vor Kurzem mit der Ankündigung Schlagzeilen, seinen Mitarbeitern künftig ein Startgehalt von 250.000 Dollar zu zahlen – rund 140.000 Dollar mehr als das Durchschnittsgehalt im Hightech-Tal. Es reiche nicht mehr, so Carter, neue Mitarbeiter mit einem niedrigen Gehalt und dem Versprechen abzuspeisen, Teil einer Mission zu sein. Für Firmen werde es immer schwieriger, sich aus der Masse der Start-ups abzuheben und begabte Programmierer oder Ingenieure anzuziehen.