CSU-Chef und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer ©Peter Kneffel / dpa

Der bayerische Ministerpräsident hat neue Verhandlungen über den Bau weiterer Stromtrassen gefordert. "Wir sind im Moment an einer Wegscheide, wo wir wirklich nachdenken müssen über den nächsten Schritt der Energiewende", sagte Horst Seehofer der Süddeutschen Zeitung. Die Pläne für neue Stromtrassen müssen grundlegend überdacht werden. Seiner Meinung nach seien viele der geplanten Leitungen nicht nötig. Man müsse Alternativen prüfen.

Statt der Trassen will Seehofer Bayern mit Gaskraftwerken unabhängig von Leitungen machen, hieß es weiter. Diese sollen Lücken der Stromversorgung auffangen, wenn die Atomkraftwerke bis 2022 nach und nach abgeschaltet werden. Nach Seehofers Vorstellung soll der derzeit unrentable Betrieb von Gaskraftwerken subventioniert werden.

Seehofer hatte bereits im Februar die Pläne für den Stromtrassenausbau – ein zentraler Teil der Energiewende – infrage gestellt. Der Ausbau soll Bayern besser an die Stromerzeugung in Norddeutschland anbinden.

Koalitionssitzung in kommender Woche zum Thema

Eigentlich hatte sich Seehofer nur gegen den Bau einer Trasse ausgesprochen: der Leitung von Sachsen-Anhalt nach Bayern. Eine zweite Stromtrasse von der Nordsee in den Süden hatte er bisher nicht abgelehnt. Das kategorische Nein zu allen neuen Trassen ist neu.

Seehofer schlug vor, die Stromtrassen zum Thema der nächsten Koalitionssitzung zu machen. Das erste reguläre Treffen seit der Bundestagswahl ist am 7. Oktober. Bisher wurden die wichtigen Themen der Koalition in Dreier-Runden von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel, Seehofer sowie SPD-Chef Sigmar Gabriel geklärt. Es soll neben Energiethemen auch um die Einführung der Pkw-Maut und die Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr gehen.