Die Europäische Zentralbank kauft von Mitte des Monats an Wertpapiere am Kapitalmarkt, um die Kreditvergabe in Europa anzukurbeln. Das kündigte EZB-Chef Mario Draghi in Neapel an. Das Programm solle mindestens zwei Jahre lang laufen. Die Ankäufe würden zusammen mit anderen, bereits beschlossenen Maßnahmen für Banken einen deutlichen Einfluss auf die Bilanz der Europäischen Zentralbank (EZB) haben.

Die EZB will Kreditverbriefungen – sogenannte ABS – und Pfandbriefe kaufen. Mit ABS-Papieren können Banken Kreditrisiken bündeln, aus der Bilanz auslagern und am Markt damit handeln. Idealerweise haben sie dann mehr Mittel frei, um neue Darlehen zu vergeben.

Bundesbankchef Jens Weidmann hatte gefordert, "wenn überhaupt, dann risikoarme Papiere" aufzukaufen. Vor der EZB-Ratssitzung waren Presseberichte aufgetaucht, wonach Draghi auch den Kauf von Papieren mit schlechter Bewertung aus Griechenland und Zypern ermöglichen wolle. Insbesondere in Deutschland hatten Kritiker gewarnt, er mache die EZB damit zu einer Art "Bad Bank".

Wertpapiere mit Ramschstatus

Draghi bestätigte nun, auch Wertpapiere aus Ländern mit einem Rating unterhalb von "BBB-" – also mit Ramsch-Status – aufkaufen zu wollen. Die EZB wolle sich dabei auf Papiere konzentrieren, die "einfach und transparent" seien.

Draghi sagte, sollten im Kampf gegen die geringe Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum weitere Schritte nötig sein, sei der EZB-Rat einig, notfalls "weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen unseres Mandats zu ergreifen". Denkbar ist der breitangelegte Kauf von Anleihen.