Es ist ein typischer Fall von: Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Es klang jedenfalls gut, als Bundesbauministerin Barbara Hendricks Anfang Oktober verkündete, die Bundesregierung werde per Gesetz kurzfristig das Baurecht für Flüchtlingsheime lockern. Es gehe darum, Asylbewerbern "so schnell wie möglich ein Dach über dem Kopf und eine menschenwürdige Unterkunft zu geben", begründete die Ministerin, "wir brauchen vor dem Winter dringend feste Unterkünfte."

Deswegen sollen neue Heime jetzt auch in Gewerbegebieten und sogar in Bürohäusern angelegt werden dürfen, und die Bundesregierung hat die Richtlinien für die Vergabe von Bauaufträgen geändert. Kommunen müssen jetzt nicht mehr wochenlang öffentlich ausschreiben, wenn sie neue Flüchtlingsbauten errichten wollen. Sie können die Aufträge schneller vergeben.

Das alles soll der Flexibilität und Schnelligkeit dienen, doch in vielen Städten zeigt sich bereits, dass die Änderungen vor allem eines bewirken: Sie kommen die Kommunen teuer zu stehen – und zwar längst nicht nur, wenn es um neue Flüchtlingsheime geht, sondern auch bei vielen anderen Bauvorhaben.

Einige Unternehmen nutzen die Not der Städte schon weidlich aus, hört man aus Bau- und Planungsreferaten bundesweit: "Wir haben großen Druck, weil wir innerhalb kürzester Zeit mehrere Flüchtlingsheime errichten sollen", sagt ein Verantwortlicher in einem Kommunalbauamt, der namentlich lieber nicht genannt werden möchte: "Wir müssen die Summe X verbauen – egal wie. Früher haben wir solche Aufträge vier Wochen öffentlich ausgeschrieben und mehrere Angebote eingeholt, das war ein fairer Wettbewerb für Firmen. Heute vergeben wir solche Projekte im Schnellverfahren an diejenigen, die zuerst Angebote vorlegen."

Um 20 Prozent höhere Preise

Was die städtischen Planer beobachten: Die Bauunternehmen verlangen für das schnelle Bauen inzwischen "absolute Mondpreise". Im Vergleich zu den vergangenen Monaten und Jahren seien die Preise, zu denen Baugewerken, Firmen und Handwerker nun ihre Leistungen anbieten, stark in die Höhe geschossen.

Als einer der wenigen, die das öffentlich zugeben wollen, bestätigt Stefan Huckauf vom Landratsamt Böblingen: "Wir erleben das deutlich, die Baufirmen haben bei öffentlichen Aufträgen ihre Preise stark angezogen." Er hat das gerade erst bei einem Flüchtlingsheim erlebt, das in Herrenberg gebaut werden soll. Statt der veranschlagten 810.000 Euro, die das Landratsamt aus Erfahrung als realistisch ansetzte, bot der günstigste Anbieter den Bau für 960.000 Euro an. Das sind satte 20 Prozent mehr.

"Gerade beim Modul- und Systembau laufen uns die Preise davon", sagt Huckauf. Solche Stahlkonstruktionen mit Wänden aus Gipsfaserplatten sind gefragt, weil sie sich erheblich schneller planen und aufstellen lassen als Massivbauhäuser. Im besten Fall könnten die Bauherren damit schon in ein paar Monaten ein fertiges Gebäude vorweisen. Es gibt aber nur wenige Firmen, die in diesem Bereich mitmischen. Und die nutzen ihre starke Marktstellung derzeit aus.