Bereits aus der Zeit von Adam und Eva kennt man die Versuchung, die von einem einfachen Apfel ausgeht. In dieser Woche hat die Europäische Kommission ihren Verdacht geäußert, Irland sei dieser Versuchung im Umgang mit dem Apple-Konzern erlegen.

Im Jahr 1980 eröffnete die Firma ihren Standort in Irlands zweitgrößter Stadt Cork. Dort werden mittlerweile 4.000 Menschen beschäftigt was Apple zum größten Arbeitgeber der Stadt nahe der irischen Südküste macht. Die Europäische Kommission vermutet jedoch eine besondere Steuervereinbarung zwischen der irischen Regierung und dem Konzern in den Jahren 1991 bis 2007, die in Wahrheit eine staatliche Unterstützung war. Sowohl Dublin als auch Apple streiten jegliche illegalen Vorgänge ab und sehen als Ursache für die Anklage der Kommission "Missverständnisse".

Vor allem für die irische Regierung kommt die Auseinandersetzung zu einem ungünstigen Zeitpunkt und ist im Vergleich zu Apple mit möglicherweise wesentlich schwerwiegenderen Konsequenzen verbunden. Der Konflikt ist Teil eines Ringens zwischen Irland und dem Rest der Welt um die richtige Steuerpolitik. Jahrelang hat die irische Regierung ihre Steuervorteile für multinationale Unternehmen erfolgreich verteidigt. Nun scheint sich das Blatt zu wenden.

Im Mittelpunkt des aktuellen Streits stehen irische Steuerverordnungen, die angeblich bis 2007 gültig waren. Diese gaben Apple nach Angaben des ehemaligen EU Wettbewerbskommissars Joaquin Almunia einen "selektiven Vorteil". Er wirft den irischen Steuerbehörden vor, Steuern zu Gunsten von zwei Apple-Niederlassungen auf Anfrage des Unternehmens hin gesenkt zu haben.

Dublin will nicht aufgeben

Er zitiert aus Protokollen einiger Treffen zwischen Vertretern der irischen Steuerbehörden und Apple-Managern und moniert, das Irland Richtlinien der OECD missachtet. Brüssels vorläufige Position: Irlands Deal mit Apple hat die Firma unrechtmäßig bevorteilt, was nach EU-Recht verboten ist.

Dublin hat "energischen Widerstand" angekündigt, weiß aber, dass ein Kampf an mehreren Fronten bevorsteht. Im vergangenen Jahr wurde in einer Sitzung des US-Senats behauptet, dass Apple nur zwei Prozent Steuern auf einen Teil seiner irischen Gewinne bezahlt habe. Dies ist ein schwerwiegender Vorwurf für ein Land, dass seine Unternehmenssteuern von 12,5 Prozent als niedrig, einfach und transparent bezeichnet.

Im Juli warf US-Präsident Barack Obama amerikanischen Unternehmen vor, das Steuersystem zu umgehen, indem sie kleine irische Firmen kauften und damit auf magische Weise plötzlich irisch wurden. Zu viele Firmen verlagerten ihre Patente und Lizenzen Richtung Irland, so der Vorwurf, um dort von den niedrigeren Steuern zu profitieren. Viele der größten ausländischen Investoren in Irland wie Google, Microsoft und Facebook nutzen solche Steuerschlupflöcher, die genau so legal wie umstritten sind.