Die Meinungen zum Thema Social Freezing, dem Einfrieren von Eizellen aus persönlichen oder beruflichen Gründen, gehen in Deutschland weit auseinander. Zwar lehnt die Mehrheit der Deutschen Angebote von Arbeitgebern wie Facebook und Apple ab, die ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen finanzieren, damit sie ihren Kinderwunsch auf einen späteren Zeitpunkt verschieben können. Dennoch spricht sich eine starke Minderheit von 37 Prozent dafür aus und hält ein Angebot wie dieses für "grundsätzlich richtig". Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag der ZEIT.

Es sind vor allem junge Menschen, die offen für Social Freezing sind. Bei den 14- bis 29-Jährigen spricht sich sogar eine Mehrheit von 53 Prozent für diese Möglichkeit aus. Ähnlich positiv stehen die 40- bis 49-Jährigen der Option gegenüber: 51 Prozent sind dafür. Bei den über 60-Jährigen ist es hingegen nur eine Minderheit von 20 Prozent.

Entscheidend für die Überlegung ist auch der berufliche Status. 40 Prozent der Berufstätigen finden die Option grundsätzlich richtig, aber nur 33 Prozent der Nicht-Berufstätigen. Bemerkenswert ist auch, dass Männer der Idee, Eizellen einfrieren zu lassen, eher positiv gegenüberstehen (40 Prozent) als Frauen (34 Prozent).

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass die US-Unternehmen Apple und Facebook ihren Mitarbeiterinnen anbieten, die Kosten für das Einfrieren von Eizellen zu übernehmen. Facebook zahlt dazu bereits seit Anfang dieses Jahres bis zu 20.000 Dollar pro Angestellter, Apple will im kommenden Januar mit der Umsetzung des Angebots beginnen. 

Deutsche spüren kaum Druck des Arbeitgebers

In Deutschland gibt es diese Option in Unternehmen bislang nicht. Dennoch: Fast jeder fünfte Befragte könnte sich vorstellen, ein derartiges Mitarbeiter-Angebot selbst zu nutzen oder der eigenen Partnerin dazu zu raten, wenn es diese Möglichkeit gäbe. Das betrifft vor allem die Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen, unabhängig vom beruflichen Status.

Die Politik hatte sich nach Bekanntwerden der Angebote in den USA parteiübergreifend kritisch geäußert. Gegner des Social Freezing sehen darin die Gefahr, den Selbstoptimierungsdruck für Frauen zu verstärken. Laut der ZEIT-Umfrage spüren die Deutschen dies allerdings kaum. 90 Prozent gaben an, dass sie keinen Druck des Arbeitgebers spüren, die Familienplanung nach seinen Wünschen auszurichten. Am ehesten sind es die 30- bis 39-Jährigen. In dieser Altersgruppe spüren immerhin 17 Prozent den Druck.   

Einfrieren aus nicht-medizinischen Gründen in Deutschland relativ neu

Dass Eizellen bei einer Erkrankung entnommen werden, etwa vor einer Chemotherapie, ist in Deutschland schon länger üblich. Bei bestimmten Chemotherapien werden die gesunden Eizellen beschädigt. Um auch nach einer Krebsbehandlung noch fruchtbar zu sein, werden die Eizellen vorher entnommen und konserviert – die sogenannte Kryokonservierung. So bleibt die Möglichkeit, ein Kind zu bekommen, auch später noch bestehen. Das Einfrieren aus nicht-medizinischen Gründen dagegen ist noch relativ neu und selten. Ganz anders in den USA. Dort nutzen immer mehr Frauen diese Möglichkeit aus Karrieregründen.

Es gibt keine belastbaren Zahlen darüber, wie viele Frauen in Deutschland explizit aus beruflichen Gründen ihre Eizellen einlagern lassen. Mediziner gehen aber davon aus, dass andere Faktoren ausschlaggebend sind. Frank Nawroth vom Kinderwunschzentrum Hamburg und Jörg Puchta, Chefarzt am Kinderwunsch Zentrum an der Oper in München, sagen, in den meisten Fällen sei es nicht der Beruf, der die Frauen zu ihnen bringe. Von seinen 35 Patientinnen im vergangenen Jahr, sagte Nawroth, hätten 27 angegeben, ihnen fehle der richtige Mann zum Kinder kriegen. Andere wollten aus anderen Gründen noch ein paar Jahre warten – aber keine Frau habe explizit auf ihre Karriere verwiesen. 

Für die Umfrage wurden im Zeitraum von drei Tagen 1.003 Personen befragt.