Mehr als vier Dutzend Länder haben sich im Kampf gegen Steuerbetrug zu einer umfassenden Zusammenarbeit verpflichtet. Ab 2017 wollen sie automatisch Daten über Konten von Ausländern bei ihren Banken mit deren Heimatländern austauschen. Vertreter von 51 Regierungen, darunter alle Staaten der Europäischen Union, unterzeichneten auf einer internationalen Steuerkonferenz in Berlin eine entsprechende Vereinbarung. Mehr als ein Dutzend weitere Staaten haben bereits signalisiert, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt folgen wollen.

Basis für den automatischen Informationsaustausch ist ein neuer Standard, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erarbeitet hat. Zu den 51 Erstunterzeichnern der Vereinbarung, mit der diese sich zur Umsetzung der neuen Regeln in nationales Recht verpflichten, zählen neben den fünf größten EU-Ländern Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien auch vermeintliche Steueroasen wie Liechtenstein, Bermuda und die Kaimaninseln.

Nicht dabei sind die USA. Allerdings stützen diese sich bei ihrem Kampf gegen Steuerhinterziehung auf ein Netzwerk aus eigenen bilateralen Abkommen, die als ein Vorbild für die jetzt auf OECD-Ebene unterzeichneten Verträge dienen und ähnliche Absprachen festschreiben. Zwischen den USA und Deutschland greift ein solches Übereinkommen zum Datenaustausch bereits seit 2013.

Das internationale Abkommen sieht vor, dass die teilnehmenden Staaten jährlich Informationen über Konten und Kontoerträge von Personen untereinander austauschen, die sie sich von den bei ihnen ansässigen Banken, Versicherungen oder Finanzmaklern beschaffen. Zu den relevanten Daten gehören etwa Angaben zu Guthaben oder Zins- und Dividendenerträgen.

Die Initiative ist Teil der Bemühungen der Gruppe der großen Schwellen- und Industrieländer (G20), nicht nur Steuerbetrügern das Leben schwer zu machen, sondern Steuerfluchtmöglichkeiten für international tätige Großkonzerne einzudämmen.

Für Steuerbetrüger wird es damit schwieriger, ihr Geld vor den Finanzämtern zu verstecken. "Das Bankgeheimnis in seiner alten Form hat ausgedient", hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) bereits erläutert. Ganz abschaffen lassen werde sich das Problem nach Schäubles Worten aber nicht. Es gebe sicher Menschen, "die neue Ideen entwickeln, bei der Steuer zu betrügen", sagte er der Bild. Positiv äußerte sich auch der Bundesverband deutscher Banken, in dem die privaten deutschen Geldinstitute zusammengeschlossen sind.