Die Autorin (rechts) als getarnte Verkäuferin in einem Hamburger Kaufhaus © NDR

"Kann ich Ihnen helfen?", fragen wir mit einem Lächeln auf den Lippen. Die Frau, die eben noch suchend mit ihrem Kinderwagen an den Regalen der Strumpfabteilung im Hamburger Alsterhaus entlangging, ist erleichtert. Endlich jemand, der ihr hilft! Sie ist auf der Suche nach einer Strumpfhose für eine Feier. Und gibt es nicht etwas, womit sie ein paar Pfunde von der Schwangerschaft verstecken kann?

Wir führen sie direkt zum Stand der Marke Item m6. Dann kommt unsere Zwei-Minuten-Verkaufsshow: Wir zeigen die Funktion der modischen Kompressionsstrümpfe, ziehen ordentlich am Stoff, um dessen Haltbarkeit zu demonstrieren und erklären, wie der Silikonbund am besten auf der Haut hält. Nur eines verraten wir der Kundin nicht: Dass wir im Auftrag der Marke und nicht unabhängig beraten. Die Frau schaut auf den engen Bund der Panties, dann auf ihren Bauch. Sie nickt. Wir begleiten sie zur Kasse und überreichen die Verpackung. Sie kauft die Strumpfhose für 60 Euro.

"Kann ich Ihnen helfen?" ist die Frage, die das Eis brechen soll. Im besten Fall verrät uns die Antwort, wie wir den Kunden zu unserem Produkt führen können. Egal, was die Frauen sich wünschen, wir wissen bereits, wo wir sie hinführen werden. "Du kannst alles mit Item m6 beantworten", hatte uns die Trainerin bei der Verkaufsschulung vor einigen Tagen in einem Berliner Café mit auf den Weg gegeben.

Für die Kunden sind wir nicht als Promoter erkennbar. Auf Anordnung unseres Auftraggebers tragen wir Garderobe nach der Ordnung des Kaufhauses: Schwarzes Kleid, schwarzer Blazer. Kein Namensschild mit Markennamen verrät, dass wir dort sind, um den Kunden das Produkt eines bestimmten Unternehmens aufzuschwatzen. Wir haben uns undercover eingeschlichen, um mehr über ein neues Phänomen zu erfahren: Hidden Promotion. So heißt das, was wir tun werden, in der Marketingsprache.

Die Strumpfmarke ist kein Einzelfall. Nach Recherchen von ZEIT und NDR sind versteckte Promoter in fast allen Warenhausketten im Einsatz. Sie beraten nicht nur in Saturn- und Media Märkten, Karstadt- oder Breuninger-Filialen, sondern auch in den edelsten Aushängeschildern der Branche, dem KaDeWe oder dem Hamburger Alsterhaus. Besonders häufig fanden sich die versteckten Promoter in Mode- und Kosmetikabteilungen sowie im Foto-, Smartphone- und Fernsehbereich. Dort täuschen sie den Kunden vor, von neutralen Verkäufern beraten zu werden. Doch ihr Ziel ist nur der Abverkauf der Marken, für die sie arbeiten.

Für die Kunden ist dies nicht transparent. Oft tragen die falschen Verkäufer den gleichen Dresscode und manchmal sogar ein Namensschild des Kaufhauses. Nie stellen sie sich den Kunden als Mitarbeiter der Markenunternehmen vor. Die Kunden in deutschen Kaufhäusern und Elektronikmärkten werden so massiv getäuscht.

Alle genannten Handelsunternehmen räumen den Einsatz von Promotern auf Nachfrage ein. Karstadt, Breuninger und die Media-Saturn-Holding stellen jedoch fest, Fremdmitarbeiter seien bei ihnen durch Kleidung oder Namensschilder klar als solche zu erkennen. Die Recherchen von ZEIT und NDR belegen jedoch, dass gegen diese Praxis wiederholt verstoßen wird.

Boris Wita von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein beklagt eine mögliche Irreführung der Verbraucher. "Freiwillig wird der Handel diese Praxis nicht abstellen, denn er profitiert davon: Hier werden kostenfreie Mitarbeiter in die Läden gestellt, die auch für einen großen, starken Umsatz sorgen. Der Gesetzgeber muss zu einer gesetzlichen Regelung kommen, die es dem Handel auferlegt, die Verkäufer, die Berater klar zu deklarieren, damit der Verbraucher weiß, um welches Produkt, um welche Produktgruppe es hier geht."

Über drei Millionen Beschäftigte arbeiten im deutschen Einzelhandel. Nach Informationen von Betriebsräten und Handelsvertretern besteht das Verkaufspersonal in einzelnen Filialen heute bereits zu 30 bis 90 Prozent aus Promotern. Nicht alle arbeiten jedoch verdeckt.

Mitarbeit: Anne Ruprecht

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