Der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat sich für die Abschaffung des gesetzlichen Renteneintrittsalters in Deutschland ausgesprochen. "Die Politik sollte ernsthaft darüber nachdenken, die feste Altersgrenze für die Beendigung des Arbeitslebens vollständig aufzuheben und gegenüber dem Arbeitgeber einen Rechtsanspruch auf Fortsetzung des Beschäftigungsverhältnisses zu gleichen Bedingungen zu ermöglichen", fordert Sinn in einem Gastbeitrag für die WirtschaftsWoche.

Darin sieht der Ökonom die Chance, dass ältere Facharbeiter länger arbeiten. "Wer diese Option wählt, erhält seine Rente später", schreibt Sinn. Dadurch könnten Arbeitnehmer ihre Rente aufstocken.

Die von der Bundesregierung eingeführte Rente mit 63 für langjährig Versicherte hält Sinn "volkswirtschaftlich gesehen für einen Flop". Zwar ließe sich das Rentenalter durchaus flexibler gestalten. "Man könnte durchaus eine Rente mit 63 oder 64 Jahren erlauben. Nur müssten die Rentenabschläge versicherungsmathematisch korrekt berechnet werden, damit der frühere Austritt den Staat kein Geld kostet. Dazu müsste man für jedes Jahr, das ein Arbeitnehmer vor 65 in Rente geht, einen etwa doppelt so hohen Abschlag wie heute realisieren", so Sinn. Als Ausgleich für höhere Abschläge sollten Betroffene nach Belieben Geld hinzuzuverdienen dürfen.