Die deutschen Exporteure müssen wegen des Konflikts in der Ukraine schwere Einbußen verkraften. "Wir haben ein Drittel des Russland-Geschäfts bereits verloren", sagte der Präsident des Branchenverbandes BGA, Anton Börner. Grund dafür seien die Handelsbeschränkungen, die gegen Russland erhoben wurden. 

Die Exporteure rechnen mit noch schärferen Strafmaßnahmen des Westens gegen Russland. "Die Sanktionen werden sehr lange bleiben, wir werden sie nicht wegkriegen", so Börner weiter. "Sie werden eher noch strenger werden." Das hinterlasse Spuren im Handel mit dem einstigen Boomland. Wenn die Sanktionen Zug um Zug greifen, werde das Geschäft noch einmal deutlich zurückgehen. Der Branchenverband geht deshalb davon aus, dass die deutschen Ausfuhren nach Russland auch im kommenden Jahr signifikant zurückgehen.

Börner verteidigte zugleich die Strafen gegen Russland. "Wir tragen die Sanktionen mit", sagte der BGA-Chef. "Freiheit hat seinen Preis." Russland wird vorgeworfen, die Separatisten im Osten des Nachbarlandes zu unterstützen.

Rekordausfuhren im kommenden Jahr

Die deutschen Exporteure rechnen 2015 insgesamt dennoch mit einem etwas besseren Geschäft. Trotz vieler politischer Krisen und "wirtschaftlicher Risikofaktoren" entwickle sich die globale Konjunktur durchaus positiv, sagte Börner. Davon werde Deutschland profitieren. Die Ausfuhren dürften im kommenden Jahr um vier Prozent auf den Rekordwert von etwa 1.172 Milliarden Euro zulegen,  heißt es beim BGA. Voraussetzung dafür sei, dass neue geopolitische Konflikte ausbleiben.  

Dennoch kritisierte Börner die deutsche Regierung für das wirtschaftliche Krisenmanagement der vergangenen Jahre. "Der Blick auf unseren Anteil an den weltweiten Exporten bescheinigt leider, dass wir an Boden verlieren", sagte er. So sei der deutsche Weltmarktanteil zwischen 2003 und 2013 von 9,9 auf 7,7 Prozent gesunken. Der von China habe sich hingegen auf 11,7 Prozent verdoppelt. "Nüchtern müssen wir festhalten, dass die Politik in den vergangenen guten Jahren trotz zahlreicher Mahnungen nicht für unvorhersehbare, doch garantiert kommende, schwierigere Zeiten vorgesorgt hat", sagte Börner. "Das fällt uns nun auf die Füße."