Wladimir Putin © Marko Djurica/Reuters

Wie schwierig die ökonomische Situation Russlands ist, lässt sich an einer Zahl ablesen: dem Wechselkurs des Rubels zum US-Dollar. Zwischenzeitlich kostete ein Dollar mehr als 43 Rubel – anderthalb Jahre zuvor waren es noch 30. Seit Anfang des Jahres verlor die russische Währung mehr als ein Fünftel ihres Wertes. Der Verfall spiegelt die tiefgreifende Krise der russischen Wirtschaft, aber auch die Folgen der Sanktionen wider.

Bislang wurde die Abwertung vom Kreml toleriert, weil sie für die Regierung einen entscheidenden Vorteil hatte: Sie sorgte für zusätzliche Einnahmen, denn viele russische Zölle werden auf Dollarbasis berechnet. Nach Einschätzung des Finanzministeriums in Moskau bringt jeder Rubel, um den der Wechselkurs zum Dollar fällt, etwa 3,7 Milliarden Euro zusätzlich in die Staatskasse. Diesem Geldstrom hat es Russlands Finanzminister zu verdanken, dass der Haushalt bislang ausgeglichen blieb.

Außerdem hat Russlands Präsident Wladimir Putin viele neue Schulden den Regionen aufgebürdet. Die meisten der Geldgeschenke wie Lohnerhöhungen für Staatsangestellte, die Putin nach seiner Amtsübernahme anordnete, müssen die regionalen Haushalte tragen. Viele haben sich dafür stark verschuldet.  

Auch im kommenden Jahr könnte Russlands Haushalt noch ohne Ausgabenkürzungen auskommen – zumal knapp zehn Milliarden Euro aus einem Reservefonds zum Stopfen möglicher Löcher bereitstehen. Aber dann wird es düster: Der föderale Dreijahreshaushalt, den das Parlament vor gut einer Woche verabschiedete, ist schon überholt. Er geht noch von einem Ölpreis von 100 Dollar pro Fass, von einer Rücknahme der Sanktionen Anfang 2015 und von einem anspringenden Wirtschaftswachstum aus. Nichts davon erscheint im Moment realistisch. Der Ölpreis liegt knapp über 80 Dollar. Spätestens 2016 müssen die Ausgaben gekürzt werden – nach heutiger Schätzung um zehn Prozent.    

Die Nachteile werden sichtbarer

Die Abwertung des Rubels hatte auch einen positiven Effekt auf die Inlandsproduktion, da russische Waren gegenüber Importen billiger wurden. Im dritten Quartal stieg die Industrieproduktion um 1,5 Prozent – eine der seltenen positiven russischen Wirtschaftsdaten in diesem Herbst. Allerdings haben noch andere Faktoren eine Rolle gespielt: Die Gegensanktionen Russlands ließen beispielsweise die einheimische Produktion an Fleisch, Konserven und Käse zweistellig steigen. In der Metallbranche und im Waggonbau mussten die Importe aus der Ukraine ersetzt werden. In der nahen Zukunft könnte der Bau einer Gaspipeline nach China die Industrieproduktion weiter stimulieren.

Die Nachteile des schwachen Rubels jedoch schlagen zusehends durch. Zuallererst wäre da die steigende Inflation – in diesem Jahr dürfte sie bei über acht Prozent liegen. Das verunsichert Investoren und die russischen Sparer gleichermaßen. Bisher ist die Summe, die russische Bürger von ihren Konten genommen haben, um die Rubel gegen Dollar einzutauschen, nicht bedrohlich für die Liquidität der Banken. Aber auch, weil die Zentralbank die Geldinstitute stützt.

Dennoch mussten die Banken ihre Geschäftsstrategie überarbeiten. Zwar treffen die Sanktionen nur einige staatliche und private Banken, die von Vertrauten Putins geführt werden. Ihnen fehlt der Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten. Alle russischen Banken aber spüren, wie vorsichtig ausländische Geldinstitute geworden sind, wenn das Stichwort Russland fällt. Sich mit frischem Kapital auf dem russischen Markt zu versorgen, ist wiederum schwierig und teuer geworden.