Wenn es um das Telefonnetz der Zukunft geht, räumt die Deutsche Telekom Josef Krupp* eine Bedenkzeit von vier Wochen ein. "Ansonsten sind wir leider formell dazu verpflichtet, Ihren bestehenden Vertrag zum Ende der Laufzeit zu kündigen." So steht es in einem Schreiben, das Krupp Ende August von der Telekom erhielt und das ZEIT ONLINE vorliegt.

Tausende solcher Briefe verschickt der Konzern derzeit an Kunden, die – wie Josef Krupp – in Großstädten leben und ihren Telefon- und Internetanschluss über den Anbieter gebucht haben. Die Aktion ist Teil des Plans vom neuen, moderneren Telefonnetz: Bis 2018 will die Telekom all ihre Festnetzanschlüsse umstellen, Telefonieren ist dann nur noch über den Internetanschluss möglich. Für die Kunden soll sich durch das neue Voice-over-IP-Verfahren (VoIP) theoretisch nicht viel ändern; sie müssen ihr Telefon künftig einfach in den Internet-Router einstöpseln.

Dennoch ist die Aufregung groß, denn im Zuge der Umrüstung kündigt die Telekom auch Altverträge. In den 53 größten deutschen Städten will der Konzern zudem bereits 2016 auf das neue System wechseln. Dort lebende Kunden, deren Vertrag innerhalb der nächsten Monate ausläuft, müssen sich daher entscheiden: Entweder passen sie sich den neuen Konditionen an und telefonieren künftig über das Internet – oder sie fliegen raus. Bei vielen, vor allem älteren Nutzern sorgt das für Verunsicherung: "Es melden sich täglich Telekom-Kunden bei uns, die sich aufgrund der Briefe unter Druck gesetzt fühlen", sagt Anne-Katrin Wiesemann von der Verbraucherzentrale Sachsen.

Mehr als vier Millionen Kunden des Bonner Unternehmens telefonieren bereits über eine Internetleitung, weitere 60.000 kommen wöchentlich hinzu. Längst nicht alle sind jedoch glücklich mit dem aufgezwungen Wechsel: Im Sommer hatte die neue Technik mehrmals für Schlagzeilen gesorgt, als die Anschlüsse vieler Telekom-Kunden über Stunden hinweg tot blieben. Bei der größten Störung Ende August waren alleine 300.000 Internettelefonierer nicht erreichbar.  

Telekom entschuldigt sich

Auf seiner Homepage entschuldigte sich das Unternehmen damals für die Pannen, der Umstieg auf IP-Telefonie sei "der größte Netzumbau in der Geschichte der Telekom". Mittlerweile, so ein Sprecher, habe man die technischen Probleme zwar behoben – doch ein Blick ins Internet lässt Zweifel daran aufkommen.

In diversen Foren beschweren sich Telekom-Kunden bis heute über die Unzuverlässigkeit ihrer neuen Anschlüsse. Einige Nutzer berichten bei der Umstellung auf VoIP von einer regelrechten Odyssee: Mehrere Wochen habe es gedauert, ehe sie mit ihrem alten Apparat wieder telefonieren konnten – obwohl die Telekom eigentlich einen nahtlosen Übergang verspricht. Bei anderen Kunden funktioniere die Technik zwar, allerdings nur mit mehrstündigen Aussetzern. In dieser Zeit sei bei Anrufen stets das Besetztzeichen zu hören, kritisieren sie. Die Anrufer können daher nie sicher sein: Ist der andere Anschluss wirklich besetzt, oder spinnt die eigene Technik? 

Auch Fachleute befürchten, dass Ausfälle im Telefonnetz zumindest mittelfristig zunehmen werden. "VoIP fußt auf einer extrem komplexen Technik. Anfangs werden Pannen deswegen häufiger vorkommen als bisher", sagt Anatol Badach von der Hochschule Fulda. Der Experte für Telekommunikation veröffentlichte bereits vor Jahren Bücher über IP-Telefonie – zu einer Zeit, in der es in Deutschland gerade einmal 100.000 solcher Anschlüsse gab.