Im Porsche-Werk in Leipzig (Archivbild) © Tobias Schwarz/Reuters

Die deutsche Wirtschaft ist im Sommer wieder leicht gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im dritten Quartal 2014 im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt mit.

Damit ist Deutschland knapp einer Rezession entgangen: Im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung nach korrigierten Zahlen geringfügig um 0,1 Prozent geschrumpft, auch weil weltweite Krisen Unternehmer verunsicherten. Wäre die Wirtschaft erneut zurückgegangen, hätte das als Rezession gegolten: Davon sprechen Experten bei zwei Minus-Quartalen in Folge.

"Deutschland ist daran vorbeigeschrammt", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Wir stecken aber weiter in einer Konjunkturdelle." Im laufenden vierten Quartal werde sich die Wirtschaft ähnlich schwach entwickeln. Darauf deuteten weniger Industrieaufträge und eine schlechtere Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen hin. "Von einer Wachstumslokomotive kann nicht mehr die Rede sein", sagte auch Analyst Holger Sandte von der Bank Nordea.

Unternehmen investieren weniger

Für das leichte Wachstum sorgten die Verbraucher. "Positive Impulse kamen nach vorläufigen Berechnungen vor allem von den privaten Haushalten, die ihre Konsumausgaben kräftig erhöhten", hieß es vom Statistischen Bundesamt. Insgesamt habe sich die deutsche Wirtschaft in einem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld als stabil erwiesen. Der Außenhandel schob endlich wieder die Konjunktur an: Die Exporte stiegen stärker als die Importe.

Dagegen schrumpften die Investitionen, vor allem, weil Unternehmen erheblich weniger Geld in Anlagen wie Maschinen oder Fahrzeuge steckten. "Am meisten beunruhigt die Investitionsschwäche, denn heute unterlassene Investitionen schlagen sich morgen in verringerter Produktivität nieder", sagte Nordea-Ökonom Sandte. Viele Unternehmen halten sich angesichts der zahlreichen geopolitischen Risiken mit größeren Ausgaben zurück.   

Im Vergleich zum dritten Quartal 2013 legte das Bruttoinlandsprodukt um 1,2 Prozent zu. Auch für das Gesamtjahr 2014 dürfte es zu einem Wachstum von rund 1,2 Prozent reichen, sagen die meisten Experten voraus. Für das kommende Jahr gehen die Prognosen aber auseinander: Während die Bundesregierung eine leichte Beschleunigung auf 1,3 Prozent erwartet, gehen die Wirtschaftsweisen von einem Rückgang auf 1,0 Prozent aus.

Die Wirtschaft in Frankreich wuchs im dritten Quartal überraschend stark – besser als in Deutschland: Das französische BIP legte von Juli bis September um 0,3 Prozent zum Vorquartal zu, wie das französische Statistikamt Insee mitteilte. Für Frankreich ist es das erste Plus in diesem Jahr. Zu Jahresbeginn hatte es eine Stagnation gegeben, im Frühjahr ein Minus von 0,1 Prozent.     

In Italien herrscht dagegen erneut Rezession: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte um 0,1 Prozent. Bereits im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung des Landes um 0,2 Prozent zurückgegangen. Die italienische Wirtschaft kommt seit Jahren nicht aus ihrem Tief. Die Regierung erwartet, dass das BIP 2014 um 0,3 Prozent schrumpfen wird.