Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di setzt ihren Streik beim Versandhändler Amazon fort. Ver.di rief Mitarbeiter in den Logistikzentren in Hessen, Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen dazu auf, mit Beginn der Frühschicht die Arbeit niederzulegen. "Wir müssen den Druck auf Amazon erhöhen", sagte der ver.di-Gewerkschaftssekretär Karsten Rupprecht.

Die Streiks in Rheinberg, Werne (beide NRW), Leipzig (Sachsen) und Bad Hersfeld (Hessen) sollen bis einschließlich Samstag fortgesetzt werden, im bayerischen Graben soll sogar bis Heiligabend gestreikt werden.

Ursprünglich sollte der Ausstand drei Tage dauern. Ver.di kündigte nun jedoch an, dass es auch nach dem geplanten Streikende am Samstag weitere Proteste geben könnte. "Wir sind unberechenbar geworden", sagte Rupprecht.

Auch in Leipzig wird eine Fortsetzung zumindest nicht ausgeschlossen. Im Laufe des Tages solle entschieden werden, ob der Ausstand auch noch über den Samstag hinaus weitergeführt werde, sagte ver.di-Sprecher Thomas Schneider. "Die Mitarbeiter sind erbost, dass Amazon den Streik kleinredet. Schon deshalb werden wir nicht nachlassen."

Die Gewerkschaft will bei Amazon einen Tarifvertrag zu den Konditionen des Einzelhandels durchsetzen. Amazon lehnt das strikt ab. Der US-Konzern sieht sich selbst als Logistiker. Die Bezahlung der Mitarbeiter in den neun deutschen Versandlagern liege am oberen Ende dessen, was in der Logistik-Branche üblich sei. Eine Einigung ist nicht in Sicht – ver.di ruft schon seit 2013 immer wieder zu Ausständen auf.

Der jüngste Streik läuft seit Montag. Am Donnerstag beteiligten sich nach ver.di-Angaben deutschlandweit mehr als 2.400 Beschäftigte. Das Unternehmen sprach dagegen von "weniger als 2.000" Streikenden. Amazon sieht keine Auswirkungen auf Lieferungen im Weihnachtsgeschäft. Auswirkungen könnte der Streik jedoch auf den Ruf des Unternehmens haben: Für mehr als 20 Prozent der Deutschen ist die schlechte Bezahlung der Mitarbeiter laut einer Umfrage der Hamburger Kommunikationsberatung Faktenkontor ein Grund, auf Einkäufe bei Amazon im nächsten Jahr zu verzichten.